FaulenzA - Einhornrap

FaulenzA - Einhornrap
FaulenzA - Einhornrap

FaulenzA

Einhornrap CD & digital
Springstoff
Gleich zu Beginn spricht die Trans*Female Rapperin FaulenzA Klartext, bezieht sich im Song "Schönheitsideale" ganz allgemein auf Geschlechterrollen und -identitäten und stellt in diesem Zusammenhang sowohl tradierte Vorstellungen der Geschlechterrollen als auch davon sich ablösende Emanzipationsideale und Anerkennungsbestrebungen zur Debatte.

Darf ich schön sein wie ich bin? Was ist schön/hässlich überhaupt und wer definiert das? Das heutige Schönheitsideal ist allgegenwärtig. Das Äußere ist fast alles. Und so wird uns ständig suggeriert: Wer nicht aussieht wie eine Barbiepuppe oder ein ausgemergeltes Topmodel, ist hässlich, entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal und hat in unserer Gesellschaft keine Chance glücklich zu werden. FaulenzA braucht zum Tanzen kein Schönheitsideal und sieht sich als Frau, auch "wenn es dein Weltbild nicht erfasst". Mutig, selbstbewusst und mit einem gesteigerten Selbstwertgefühl findet sich FaulenzA mit dem Determinismus einer biologisierten Gesellschaft nicht ab und positioniert sich gegenüber Fremddefinitionen und Stigmatisierungen mit einer dekonstruktivistischen Attitüde. Was sie braucht ist Glamour, Glitter und Musik. Gerade an diesem Song lässt sich aber auch ihren musikalischen Reifeprozess festmachen. Die Singer/Songwriter-Phase ist einem Zeckenrap gewichen, der einem Paradigemenwechsel, aber auch einer Metamorphose gleicht. Es scheint, als ob FaulenzA sich von anderen ZeckenrapperInnen inspiriert hat und ein musikalisches Feld gefunden, in dem sie zunehmend die Freiheiten, die ihr andere lyrische und literarische Formen beispielsweise in der Slam Poetry bieten, entdeckt und aufgegriffen hat, um sich auszudrücken und zu verwirklichen. Neue Rhythmen, ein anderes thematisches und stilistisches Spektrum befreien sie, was sich wiederum positiv auf ihre beatbasierten Texte auswirkt. FaulenzA nutzt die neuen Wege, um die radikale Gesellschaftskritik, die politischen Dimensionen von Sprache, HipHop in Diskurs zu bringen. Und das macht sie in jedem ihrer Songs deutlich. Einhornrap ist ein sehr persönliches Album, auf dem FaulenzA offen und offensiv ihre Wut, den viel zu lange heruntergeschluckten Ärger Luft zu verschaffen und auf eine konstruktive wie kreative Art und Weise zu kanalisieren. "Ich trau mich raus". Sie kann jetzt laut und unmissverständlich "Nein" sagen und hat gegen die feste Rollen-Zuschreibungen und Diskriminierung in der "harten Welt" auch Angst, dass sie nur verlieren kann. Sie zeigt immer noch leichte Verunsicherungen, aus Angst vor Ausschlüssen, Gewalt und Anfeindungen. Woher bekommen transmenschen die Stärke und Selbstsicherheit, um sich gegen den Mainstream zu stellen? Und woher nehmen sie dann den Mut, auch entsprechend zu handeln und dafür Konflikte in Kauf zu nehmen? Es ist kein leichter Weg, aber "du musst bei dir beginnen, das Glück kommt von innen." FaulenzA ist in ihrem Sprech meist unaufgeregt, eintönig und groovt uns einen Sound vor, der abwechslungsreich gestaltet ist und mit DiscoFunk, eingängigen Synthie-Hooks verstärkt wird. Insbesondere durch die Beteiligung und Mitwirkung von Sookee, Carmel Zoum, Msoke aus Zürich, Riva von Anarchist Academy, Lady Lazy und Jennifer Gegenläufer bekommen die Songs noch mal eine ganz besondere Dynamik und Wirkung. Einhornrap ist Selbstermächtigung und liefert empowerndene Momente. FaulenzA liefert dafür eine notwendige Rhetorik, weiterzudenken und macht die Lebensrealitäten von Gewalt erfahrenden Transpersonen sichtbar. Das ist ihre eigene und die spricht für sich in einer selbstreflektierender offenen Art und Weise, die Mut macht und Vertrauen schafft.

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