BLUTIGE KNIE - Mucker, Booker, Wichtigtuer

BLUTIGE KNIE - Mucker, Booker, Wichtigtuer
BLUTIGE KNIE - Mucker, Booker, Wichtigtuer

BLUTIGE KNIE

Mucker, Booker, Wichtigtuer LP
Bakraufarfita Records
Gut Ding will Weile haben. Timo Tolkmitt (Gesang, Gitarre) und Till Trenkel (Schlagzeug) haben die Songs bereits im Dezember 2014 live im Studio aufgenommen. Knapp 1 Jahr später wurden die Songs gemixt und Anfang diesen Jahres gemastert.

Der dreckige, rohe, angezerrte Sound bietet viel Platz, um sich an Gitarre und Schlagzeug auszutoben. Muss auch, um den Klangraum auszufüllen. Die krachig-lauten Riffs suhlen sich im Schlamm von Blues, Stoner und Grunge, während Timo in nölig-schnodderiger Art die Welt macht, wie sie ihm gefällt und die Poetry Slam im Anti-Rockstar-Habitus lautmalt. In der Unreinheit der Monokultur ertönt das hippieske Konstrukt wie eine improvisierte Session, in der Jimi Hendrix und Hawkind miteinsteigen und die dreckige Seite zeigen. Okay, das klingt maßlos übertrieben, aber die Live-im-Studio-Performance ist elektrisch aufgeladen und versetzt die ZuhörerInnen in Ekstase. Letztendlich ist das natürlich Garagen-Blues aus dem Berliner Hinterhof. Aber die wild preschenden Akkorde und das animalische Schlagzeugspiel bietet Möglichkeiten, das Haar zu schütteln und Wildsau zu spielen. "In Berlin" ist der geradlinigste Song, der beinahe NDW-Qualitäten aufgreift, um sich danach wieder den ausgeflippten bluesrockigen Wurzeln zu bedienen. "Wir sind nicht Weltmeister" ist der ironische Beitrag zum deutschnationalen Wahn und ein heimlicher Hit der Scheibe, der wiederum die Blues-Pfade verlässt und schön schräge Töne im ansonsten gleichtönigen Lauf hervorbringt und den Punk hervorkitzelt. Daran knüpft ebenfalls "Indiehacken" an. Es scheppert und kracht wie eine wilde Appendix der TRIO-Philosophie. Nur zwei Instrumente (Schlagzeug und E-Gitarre) verwenden, welche wiederum auf die nötigsten Bestandteile reduziert werden und auf Hall- oder Echoeffekte vollständig verzichten. Reduzieren und Weglassen. Dadaismus und Punk mit Berliner Schnauze, Adaptionen von Selbermach-Attitüde des Punk mit radikaler Abkehr von den herkömmlichen Inhalten der Popkultur – auch von denen des Rock in teilweise zähflüssiger Slow-Motion und gelegentlich brutal kollidierten Hau-drauf- und Saitengedresche-Methodik.

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