PROUD TO BE PUNK #24

PROUD TO BE PUNK #24
PROUD TO BE PUNK #24

PROUD TO BE PUNK #24
80 DIN-A-5-Seiten; €???
jan.sobe@t-online.de
Jan reflektiert im Zusammenhang zwischen "Zwang und Autorität" seine Tätigkeit als Lehrer und beschreibt auch Situationen in denen "meine Ideale mit meiner Rolle als Lehrer kollidieren". Stress, Leistungsdruck, Anforderungen der Eltern sind für die SchülerInnen eine Belastung, eine Überforderung, was zu verstärkter Desinteresse führt und Ablenkungen führt. Jan muss dann sanktionieren, und es ist ihm ein Gräuel, SchülerInnen zu disziplinieren.

Vielleicht sollten seine SchülerInnen auch mal an der Gedenkstättenfahrt teilnehmen, den der Verein "Bon Courage e.V." organisiert. Jan begibt sich mit weiteren TeilnehmerInnen auf den Spuren nationalsozialistischer Verbrechen. Die von ihm mitorganisierte Fahrt führt über Warschau, Gedenkstätte Treblinka zur "Wolfsschanze", Danzig und zum KZ Stutthof. Auf insgesamt 22 Seiten beschreibt Jan seine Eindrücke und den Reiseverlauf, der mit Workshops und Vorträgen an den Gedenkstätten aufgewertet wurde.
YOK freut sich über jede Mülltonne, die angezündet wird, wenn "es darum geht, Nazis den Weg zu versperren". Zudem beobachtet er, dass in bestimmten Kreisen Kollektivität und emanzipatorisches Denken einem autoritären Dogmatismus weicht. Jan besorgt sich mehrere Bücher, die "Antifa in England/London" thematisieren und  resümiert die Historie.
Was hat Topf&Söhne mit KELLERASSELN zu tun? Jan wirft einen Blick in die Song-History und zeichnet die Biografie von Kurt Prüfer und Ludwig Topf, Fritz Sander nach, die einen wichtigen Beitrag zur Massenvernichtung in dem NS-Regime leisteten. Die Firma Topf & Söhne hatte in der NS-Zeit Öfen sowie Teiel von Gaskammern für Konzentrations- und Vernichtungslager hergestellt. Jan verzichtet auf einer genaueren Analyse, um zu klären, warum die Gebrüder Topf bis zum Kriegsende an der SS festhielten und offene Fragen zu erklären, skizziert aber den abscheulichen Versuch, die teilweise in der Freizeit entwickelten technische Voraussetzung zu leisten, den Massenmord zu perfektionieren. Was Jan außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass das Gelände 2001 besetzt wurde mit dem Ziel, sich mit der Geschichte des Geländes auseinanderzusetzen und deren Bekanntmachung als eine Konstante in der Geschichte des Projekts darzustellen. Bestandteil dessen waren Veranstaltungen, der Rundgang übers Gelände, Infostände und Vorträge bzw. Workshops zur Geschichte der Firma Topf & Söhne. Am 16.04. 2009 wurde das besetzte Haus in Erfurt geräumt.
Nils vom Black Mosquito Mailorder stellt den non-profit, anarchistischen Onlineshop und die Zusammenarbeit mit CrimethInc. vor.
In der Anarcho-Punk-Resistance-Reihe werden RESIST AND EXIST vorgestellt, die eine Offenheit und Bereitschaft zur (sub-)kulturübergreifenden Solidarität fordern und sich gegen Manipulationen und Unterdrückung von Staat und Kapital aufzulehnen.

Gesamteindruck:

Die Ausgabe ist ein Qualitätsmerkmal für antirassistische Perspektiven. Vorgestellt werden antifaschistische, antirassistische Projekte, Gruppen, Bücher, Platten, Bands. Jans Intention, antifaschistische/antirassistische Werte zu vermitteln, werden mit Perspektiven zu Bildungsarbeit und lebenspraktischen Beispielen veranschaulicht. Das P.t.b.P. ist somit ein Bildungs- und Informationsmedium, das antirassistische Arbeit stärkt, bietet zudem für die LeserInnen Politisierung und Orientierung an, ermutigt, sich zu speziellen Themen weiter zu informieren oder sich an Kampagnen zu beteiligen. Jans Engagement und Enthusiasmus in die Gestaltung ist herausragend und in der aktuellen Ausgabe auch ein Beleg für konkrete Grundsätze emanzipatorischer Partizipationsförderung, Bildungs- und Kulturarbeit lebenspraktisch umzusetzen. Das P.t.b.P. ist eine wichtige Instanz und Möglichkeit der politischen Auseinandersetzung, die weit über Punk als musikrelevantes Ausdrucksmittel hinaus geht und kompetent geschrieben ist.

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