TRUST #179

TRUST #179
TRUST #179

TRUST #179
68 DIN-A-4 Seiten; €2,50.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf resümiert das TRUST-Fest zum 30jährigen Bestehen im Bremer Schlachthof mit LUCKY MALICE, PASCOW und DECIBELLES und freut sich schon aufs nächste ausverkaufte Haus mit tollen Bands, die es seiner Meinung nach "nicht so häufig gibt". Auch Jan blickt zurück, empfindet das Schreiben einer Kolumne auch als Möglichkeit, eine Musikrezension, einen Konzertbericht oder eben einfach ungefilterte Gedanken zu verfassen. Er reflektiert Tops und Flops aus seiner Interview-Historie und geht hart ins Gericht mit SPEX, WAHRSCHAUER und nutzt für die angebrachten Kritikpunkte geschickterweise Quellen anderer Kritiker, um dann festzustellen, dass sich Dinge wie eine popkulturelle Gegenmacht zur Kulturindistrie, Hedonimus/Dissidenz gegen das System heutzutage längst erledigt haben.

Nachdem Jan Röhlk schon die Online-Termin-Kalenderversion von COPYRIOT vorgestellt und seinen Macher interviewt hat, folgt nun mit Niels von der PUNKSTELLE ein weiteres Interview zum selben Thema. Niels hat vor 15 Jahren angefangen, Adressen von Läden, News aus der Szene, Konzertankündigungen, seine komplette Plattensammlung für den Tausch von Kassettenkopien online bereit zu stellen und ist heute "einfach ein Multiplikator für die lokale Punkrock-Szene in Köln/Bonn und Umgebung".
 Alva Dittrich ist begeistert von BAD COP/BAD COP, die der Band Witz, Charme und Ehrlichkeit attestiert und sie auf dem Groezrock-Festival begeistern konnte. Im Verlauf des Interviews gibt es einige Überraschungen, die auch für die Band selbst unerwartet kommen, etwa, als Jenny während des Outings von Laura Jana Grace im Gespräch anfängt, vor Rührung zu weinen. Stacey fühlt sich als schwuler Mann in einem Frauenkörper, was wiederum interne Debatten auslöst und tiefergehende Konflikte auflöst. Sehr interessant ist auch Staceys Umgang mit ihrer starken Depression, dem Absetzen der Medikamente und der Erkenntnis, dass sie nicht depressiv sein muss, um Ängste zu haben und die in ihrer Denkweise zusammenhängend eine faule Ausrede darstellen. Im Interview-Verlauf gibt es dann auch kontroverse Debatten zwischen Myra und Jennie über Obdachlose in San Francisco, die sich laut Myras Meinung lieber einen Job suchen sollen, während Jenny mutmaßt, dass sich unter den psychisch kranken Obdachlosen auch Personen finden lassen, die die "Ich-bin-krank-Karte" ausspielen und Jobangebote ablehnen. Stacey versucht zu schlichten und dann streiten sie sich weiter über Feminismus und über männliche Verhaltensweisen gegenüber Frauenbands. Alva agiert als eine Talkmasterin und Stichwortgeberin, woraufhin Stacey, Myra und Jenny lebhafte Diskussionen anfangen. Das ist echt mal spannend und offensiv. Ein Selbstläufer, den mensch sich als InterviewerIn nur wünschen kann, was vor allem bei einem "Live-Interview" funktioniert.
Jochen hat HINTERLANDT eingeführt, um ohne Netz und doppelten Boden zwischen MusikerInnen und ZuschauerInnen Kammermusik zu machen und beschreibt das kompositorische Klangbild im Kopf als Landschaft und Reise. Es sei ein intensives Erlebnis, leise Musik, aber "man spürt eine größere Spannung im Raum".

Gesamteindruck:

Es ist im Grunde ganz einfach. Beeindruckt bin ich vom Gespräch zwischen Stacey, Myra und Jenny von BAD COP/BAD COP, das Alva Dittrich mit ihnen geführt hat. In diesem Streitgespräch gibt es viele kontroverse Anhaltspunkte, die zum Nachdenken anregen. Der restliche Inhalt ist eher schwach. Neben einer überflüssigen Werkschau (Teil 2), bieten die Interviews mit Punkstelle, Contraszt Records, Hinterlandt im Grunde nur Einblicke in die Arbeitsweise der jeweiligen Protagonisten, die wenig interessante Höhepunkte liefert und im Grunde nicht über ein Selbstporträt hinausgeht.

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