Tierbefreiung #92

Tierbefreiung #92
Tierbefreiung #92

Tierbefreiung #92
76 DIN-A-4-Seiten; €3,00.- 
die tierbefreier e.V., Postfach 150325, 44343 Dortmund
www.tierbefreiung.de
Das aktuelle Titelthema umfasst nationale wie internationale Treffen "für die Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung" und die hier entwickelten Ideen, Strategien und Konflikte.

Das Motto des diesjährigen Tierbefreiungskongresses lautete "Für eine starke Bewegung". Betrachtet mensch jedoch die konkreten Ergebnisse und persönlichen Eindrücke, resultieren auch viele Kritikpunkte aus der Bemühung, die Bewegung größer zu machen und effektiver zu gestalten. Wie können lokale/regionale Bündnisse wachsen, sich mit anderen vernetzen und wie müssen Strategien evaluiert werden, um Stagnation und Rückschritte zu vermeiden? Die Tierbefreiung Hamburg findet, dass die Tierrechtsbewegung Treffen und Kongresse braucht. Zusammenkommen und sich austauschen einerseits, Konflikte und Konfliktpotential anderseits. Die Treffen produzier(t)en auch Widerstände und Widersprüche. 1995 wurde die Tierrechtswoche in Hamburg nach unüberwindbaren Differenzen zwischen der autonomen linken Szene und TierrechtsaktivistInnen nach 3 Tagen abgebrochen. Ein weiteres geplantes Treffen scheiterte bereits im Vorfeld an szeneinternen Debatten und Misstrauen.
 Im Interview mit einigen AktivistInnen zu ihren Erfahrungen auf Tierbefreiungstreffen sind die Ausführungen von Günter Rogausch interessant, geht er doch sehr kritisch mit den Treffen ins Gericht und empfindet keines der Treffen als nachhaltig prägend, profilschärfend oder richtungsweisend. Seine betont subjektive Sichtweise filtert die Begegnungen, Austausche/Gespräche als positiv heraus, bemängelt aber auch gleichzeitig die Bedeutung dieser im Zusammenhang mit dem regionalen/überregionalen Bezug im Alltag. Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt misst er der hohen Fluktuation der Tierrechts-/Tierbefreiungsszene bei, die sich seit Jahren nicht geändert hat. Im Umkehrschluss bedeutet ein Fortbestehen dieser Fluktuation auf lokaler Ebene ein Verlust der zentralen Bedeutung für das öffentliche Erscheinungsbild und für die Entwicklung der Tierbefreiungsszene. Günther sieht auch die Gefahr einer dominanten Ausrichtung, die von einer starken lokalen Gruppe ausgeht, aber kein "Ergebnis einer gemeinsamen inhaltlichen Auseinandersetzung" wäre.

Gesamteindruck:

Solche Treffen sind keine Selbstläufer. Es benötigt eine große Portion Kraft, diese zu planen, vorzubereiten und durchzuführen. Was nutzt es, wenn die TeilnehmerInnen die Atmosphäre im Allgemeinen als "schön" empfinden, aber inhaltliche Konzepte und Ziele keine neuen Impulse setzen, sich keine neuen Aktionen oder Zusammenschlüsse entwickeln. Es geht in der Tierbefreiungsbewegung um einen gesellschaftlichen Kontext. Da ist es wichtig, die bestehenden Strukturen zu stärken und die emanzipatorische Funktion dieser Bewegung auch auf den Kongressen zu bekräftigen und so zu mehr Offenheit für BündnispartnerInnen zu gelangen. Denn ohne Zusammenschlüsse  wird es schwierig, langfristig wirksame Ziele erfolgreich umzusetzen, die überregional bedeutsam wären. Dafür ist ein Raum für lebhafte Diskussionen wichtig, bei denen gezweifelt, geglaubt, gestritten und gehofft werden darf. Wichtig ist eine starke, selbstbewusste Bewegung, um ihre Botschaft dauerhaft und erfolgreich zu kommunizieren und deutlich an Einfluss zu gewinnen. Neben diesem Anspruch, dem Leitziel, sind und bleiben aber direkte Aktionen und Widerstandsformen, um nicht als theoretische Diskursbewegung wahrgenommen zu werden.

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