LOTTA #64

LOTTA #64
LOTTA #64

LOTTA #64
68 DIN-A-4-Seiten; € 3,50.-
Lotta, Am Förderturm 27, 46049 Oberhausen
www.lotta-magazin.de
In der aktuellen Ausgabe thematisiert das Redaktions-Kollektiv die "Neuen Rechten" von "nationalrevolutionäre" Debattenzirkeln bis "rechtsintellektuelle" Netzwerke, die schon lange eine traditionelle Rolle in der extrem rechten "Therorieproduktion" darstellen. Im Fokus steht u.a. die junge Organisation der "Identitären Bewegung", die als popkulturelles Phänomen der „Neuen Rechten“ daherkommt.

Seit 2011 schwappte der Trend aus Frankreich nach Deutschland über – wie schon bei der „Neuen Rechten“ vor rund 40 Jahren. Eine breitere Beachtung wird der IB erst zuteil, seit mit der AfD und dem erneuten Aufblühen der „neurechten“ VordenkerInnen der politische und gesellschaftliche Kontext sich nach rechts verschoben hat: Die Symbole der IB sind auf zahlreichen AfD-Demonstrationen zu sehen.
Der Begriff der „Neuen Rechte“ findet seit einigen Monaten erneut Beachtung. So ließ es sich kaum ein Medium nehmen, mit Götz Kubitschek und seiner Frau Ellen Kositza zwei der Köpfe der „Neuen Rechten“ auf ihrem Rittergut in Schnellroda in Sachsen-Anhalt zu besuchen und sie zu porträtieren.
Die Bezeichnung „Neue Rechte“ ist so wenig neu wie die Beschäftigung mit dem Phänomen. Wissenschaft und Journalismus beschäftigten sich bis Anfang der 2000er Jahre ausführlich mit der Strömung und den vorliegenden Analysen ist kaum etwas hinzuzufügen. Seither hat die Aufmerksamkeit deutlich abgenommen.
Ihre Entstehung geht in Deutschland vor allem auf die 1970er und 1980er Jahre zurück. Eine einheitliche Gruppierung war die „Neue Rechte“ nie, sondern bezieht sich maßgeblich auf die sogenannte Konservative Revolution der 1920er Jahre“. Das Ziel der „Konservativen Revolution“ war damals vor allem der „völkische Kampf gegen die Weimarer Demokratie und der intellektuelle Kampf gegen die Aufklärung“. Seither knüpft die „Neue Rechte“ an jene Vorläufer an.
Nachdem in ihrer Entstehungszeit zahlreiche Gruppierungen gegründet wurden (z.B. die "Reichsbürger", die IB), haben sich in den letzten Jahren vor allem auch das Institut für Staatspolitik, die damit verbundene Publikation Sezession und der Verlag Antaios zum Kern der Strömung entwickelt. Die zentrale Figur im Netzwerk aus Publikationen und Bildungsveranstaltungen ist Götz Kubitschek. Egal ob eigene Veranstaltungen, als Redner bei Pegida in Dresden oder dem radikaleren Ableger Legida in Leipzig - Kubitschek scheint seit 2015 omnipräsent im Kreise der „besorgten Bürger“.

Gesamteindruck:

Strategisch bedient sich die „Neue Rechte“ seit ihrer Gründung unter anderem beim italienischen Marxisten Antonio Gramsci und dessen Strategie der „kulturellen Hegemonie“ mit dem Ziel, das Denken zu prägen und nach rechts zu verschieben, dabei Begriffe neu besetzen und Diskurse dominieren, um so die Hoheit über die Köpfe zu erlangen. So steigern sich völkisch konstruierte Bedrohungslage mit Begriffen wie „Flüchtlingsinvasion“ oder „großen Austausch“  zum „Ethnosuizid“ und zum „Todesurteil“ für das „deutsche Volk“. Die Bedrohung durch Einwanderung scheint so grenzenlos und wird zu einer Situation stilisiert, bei der es um Leben und Tod zu gehen scheint. Darüberhinaus funktioniert das Konzept der Provokation ganz gut und sorgt für mediale Berichterstattung. Rechte Provokationen dienen einzig und alleine dem Zweck, die Botschaften zum Gegenstand öffentlicher Debatte zu machen. Sind diese erst einmal in der Öffentlichkeit und in den Köpfen transportiert, besteht die Gefahr, sich an diese gewöhnen. Umso wichtiger ist es, die neurechten Bewegungen und Inhalte zu analysieren, um strategische Ausrichtungen zu erkennen und zu bekämpfen.

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