TRUST #180

TRUST #180
TRUST #180

TRUST #180
68 DIN-A-4 Seiten; €2,50.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
https://trust-zine.de/
Alle Welt geht auf Festivals. Dolf nicht. Warum? Als Antwort liefert er Auszüge seiner Kolumnen aus TRUST #65 und #103. Diese Vorgehensweise tritt in letzter Zeit immer häufiger in Erscheinung. In der Quadratur des Kreises wiederholen sich Denkprozesse. Wenn alles schon mal gesagt wurde, dann sind Wiederholungen Symbol für unlösbare Aufgaben.

Jan Röhlk recherchiert erneut die Ursprünge von Songs und Filmtitel. Erstaunlich, mit was sich Jan alles so beschäftigt, was er akribisch recherchiert und welche Erkenntnisse er zu Tage fördert. Das entwickelt sich ja beinahe zu einer zwanghaften Neurose. Jan, muss ich mir Sorgen machen, dass du nachts nicht einschlafen kannst, weil du darüber nachdenkst, woher der Song X von Band Y ursprünglich stammt und was die Band damit eigentlich zum Ausdruck bringen will? Jan's Kolumne entwickelt sich mehr denn je zur Schriftenreihe für Herkunftsforschung. Daneben sucht er nach Widersprüchen und listet bis ins letzte Detail auf, wer was wie und warum gemacht hat. Akribie, Obsession und Hartnäckigkeit, bis alles aufgeklärt ist.
Benni Hübbe hat Berlin und Deutschland den Rücken gekehrt und ist für ein Jahr lang nach Jyväskylä (FIN) umgesiedelt. Weg vom Großstadt-Moloch, hin zu Luft, Fels, Wald, Seen, Schnee und Eis. Hier macht er sich auf der Suche nach Punk und DIY und zeigt sich nach anfänglicher Skepsis sehr erstaunt über eine pulsierende Konzertkultur. Bela befragt die Band DON'T aus Portland, Oregon, deren Drummer, Sam Henry, bereits mit Greg Sage und Dave Coupal bei WIPERS gespielt hat. Natürlich geht es dann im Interview auch um kultige Punkrock-History mit den Portland-Bands WIPERS, POISON IDEA. Aber auch NAPALM BEACH, DEAD MOON werden erwähnt. Was für ein Best of!
Chrischan von LITBARSKI kommt im Interview etwas aggro-muffelig  rüber und scheint auf Krawall gebürstet, fühlt sich bisweilen von Mika in die Enge getrieben und antwortet mit Gegenfragen.
Ich bin da im Interview etwas entspannter und reflektiere die UNDERDOG-Entstehungsgeschichte, gebe sehr viel Persönliches (Sucht-Therapie) preis und offenbare, dass ich nach dem Gassigang mit Hund "Odin" am Liebsten im alten Ohrensessel sitze und alte Punk-Klassiker auflege.

Gesamteindruck:

DIY und Subkultur. Überall auf der Welt gibt es was zu entdecken. Dabei ist es den TRUST-MiarbeiterInnen ein wichtiges Anliegen, in ihren Interviews über das ursprünglich angesetzte Thema DIY & Gegenkultur hinaus, verschiedene Argumentationslinien (Feminismus, Kapitalismuskritik) aufzugreifen. Die Ansichten bieten zumeist den Eindruck von mehr Selbstkontrolle und offenbaren größtenteils Einblicke in Denk- und Handlungsprozesse. Zwischen den Zeilen lassen sich einfache Botschaften und klare Statements ausmachen, die kommunizieren, welche Werte und Normen gelten: Fuck AfD! In diesem Zusammenhang auch interessant: Pogo tanzen verboten! (Wie sich die AfD ihre Kulturpolitik vorstellt). Manchmal sind es eben auch die Randnotizen, die subversiv sind und ein Akt des Widerstandes formulieren.

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