OX #128

OX #128
OX #128

OX #128
132 DIN-A-4-Seiten; € 5,50.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Nach dem üblichen Sammelsurium an sogenannte V.A.'s mit und über Bands/Platten von früher, Jugenderinnerungen und Cover-Ikonen, alte (Punk)Filme neu entdeckt, begegnet Peter Meißner einen seltsamen Fremden und muss sich der Frage stellen, mit wem er eine neue Zivilisation aufbauen will. Seltsam, aber so steht es geschrieben. Tom van Laak berichtet aus dem Backstage-Bereich, grübelt, trinkt Port und freut sich, dass Freundin Marion ihren Job für ihn aufgibt.

Fat Mike von NOFX offenbart seine Vorliebe für BDSM, öffnet/entfesselt sich stärker, als mensch es von ihm gewohnt ist und vergleicht den (möglichen) Wahlerfolg von Donald Trump mit Deutschland vor dem 2. Weltkrieg. Am Wahltag hatte auch Laura Jane Grace (AGAINST ME!) Geburtstag, die im Interview diskriminierende Beispiele gegenüber LGBT-Personen benennt, was bspw. bei der Toilettennutzung anfängt.
Joachim und Uschi besuchen das Rebellion-Festival, laufen sich die Füße wund und haben ein schweres Konzertbesuch-Pensum absolviert und hören bei geöffnetem Fenster Klänge von altehrwürdigen Punkheroes. TAD Doyle hat früher an seinem Modellbaukleber geschnüffelt und hat Essen als selbstzerstörerische Maßnahme genutzt. RED FANG blödeln viel herum, haben aber auch eine dunkle Seite.  HC-Helge skizziert die Bandbiographie von VICIOUS CIRCLE und unterhält sich mit Sänger Paul über selbige. Drummer Ruffy von RUTS D.C. plaudert ausgiebig über Punk und Anekdoten und kann nichts außer Musik schreiben, spielen und produzieren. Kent Nielsen ist immer noch kein Tänzer geworden und blickt zurück auf die konzentrierte Arbeit zum Album "The highest wall" in einer Zeit, in der alles im Aufbruch und super spannend war.
Mirco von ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN wechselt heute lieber die Straßenseite, wenn ihm jemand entgegenkommt, der ihm nicht passt.

Gesamteindruck:

 Im OX Fanzine werden hauptsächlich musikalische Verhältnisse skizziert, alte und neue Bands interviewt, wobei auffällt, dass die Bands nicht mehr so häufig mit einem Steckbrief abgefertigt werden sondern ausführlicher beleuchtet werden. Dennoch gibt es qualitative Unterschiede. NOFX, AGAINST ME, NEW MODEL ARMY, PIXIES, RUTS D.C., Tad Doyle  bekommen mehr Platz und Raum für ausführlichen Small Talk, wo mensch auch mal etwas Persönliches erfährt, was auch Sinn macht, sind diese Bands und Personen ja auch schon länger im Punk-Business unterwegs und ermöglichen detaillierte Einblicke in Denk- und Handlungsprozesse. Was nach wie vor im OX fehlt sind politische Artikel und kritische Interviewfragen, die für die Kommunikation und den Austausch wichtig wären. Analytisches Betrachten und die Fähigkeit, auch um die Ecke und alternativ zu denken: Reflexion, Verbesserungsvorschläge, Analysieren sind Mangelware. Insofern liefert das OX nach wie vor Informationen und Unterhaltung und verzichtet auf eine Themenauswahl zur politischen Bildung. So bleibt das OX vor allem quantitativ mit massenhaften Interviews in Erinnerung.

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