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OX #132

OX #132
OX #132

OX #132
148 DIN-A-4-Seiten; € 5,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Joachim ist genervt von Ü-40-Punkrocker mit Akustik-Gitarre, die ihre Midlife-Crisis kompensieren. Tom van Laak ist immer noch in der "Täglich-grüßt-das-Murmeltier"-Phase und berichtet von Einschlafproblemen, Alkohol_Eskapaden, physischen wie psychischen Problemen. Dafür feiern FLOGGING MOLLY das Leben, wissen, dass sie es in der Hand haben, es gut zu machen, während Campino ein Mannschaftsspieler ist, der gedanklich mit jemanden Pingpong spielt.

SLAUGHTER&THE DOGS sagen ein Konzert im Düsseldorfer Zakk ab, weil sie nicht in der Halle, nicht im Club, sondern auf einer kleinen Bühne in der Kneipe spielen sollen. Die Re-Union in Originalbesetzung verlief nicht so gut und, das neue Album "Vicious" klingt für Wayne und Mick frisch und wie von einer jungen Band. Peter Hook spielt Joy Division-Sogs und findet diese Musik "jenseitig" und "zeitlos". HC-Helge unterhält sich mit Sänger Mark Hayes von PERDITION, der anlässig der Diskografie-Veröffentlichung die Bandgeschichte reflektiert und die mit neuem Album auch mal nach Übersee kommen wollen. Frank Weiffen bittet Sänger Colin und Gitarrist Daryl von COCK SPARRER zum Rapport, die die Bedeutung des Songs "England belongs to me" erklären, die heute die beste Zeit mit der Band haben. Astrid Spirig war Sängerin bei der Zürcher Punk- und New-Wave-Bands Kleenex/Liliput, gehörte wie andere Frauen zur Generation der Bewegten, die etwas bewegen wollen. Es ging nicht nur um kulturelle Freiräume, sondern um die Sehnsucht nach einer anderen Welt. Harris Johns hat diese Sehnsucht eingefangen und für zahlreich Punk- und Metalbands abgemischt. Harris war mit dem Musiclab der AGR-Aufnahmeproduzent und erinnert sich an 16- und 24-Spuraufnahmen mit Bands wie SLIME, DAILY TERROR, an den fetten Gitarrensound bei der Slam Session für DISASTER AREA und an den Wandel der Zeit.

Gesamteindruck:

Auch wenn Joachim erklärt, dass es ihm und anderen beim OX darum geht, wie sie mit leuchtenden Augen neue und alte Musik (wieder)entdecken, so bleibt doch ein Übermaß an nüchtern-analytisch-sachlichen Abhandlungen zu Zahlen, Fakten und Songs über, denen es an Obsession mangelt. Was ich dennoch gut finde, ist das akribische Vorgehen und insbesondere Joachims Fähigkeit, sich auf hohem Niveau zu unterhalten. Was mir fehlt ist die Optionsvielfalt auf eine praxistaugliche Community, die jenseits der musikrelevanten Themen existiert und auch fehlende Gedankenexperimente mit der Möglichkeit zum öffentlichen Diskurs. So versorgt das OX die LeserInnen mit einer Flut an Informationen zu neuen Bands und Platten, beschränkt sich also auf Information, ohne auch mal unpopuläre/kontroverse Reformen und Themen zu Punk und HC anzupacken. Das OX ist also Infotainment mit souveränen, guten Berichterstattungen und Standards wie diverse Rubriken (Film, Bücher, V.A.). Meine Begeisterung flammt immer dann auf, wenn es um geschichtsrächtige Anekdoten und Ereignisse aus den Anfängen des Punk geht, zu denen auch Kent Nielsens Biografie "Wie aus mir kein Tänzer wurde" gehört.

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