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ROMP #42

ROMP #42
ROMP #42

ROMP #42
32 DIN-A-4 Seiten; €2,50.-
Romp Zine, Steinenstraße 17, 6004 Luzern, Schweiz
zine@romp.ch
Das ROMP ist von Gentrifizierung bedroht. Die Vernachlässigung der Bausubstanz ist letztendlich die wohnungswirtschaftliche Voraussetzung für eine Gentrifizierung. Ist der Wert der Gebäude und Grundstücke erst einmal so richtig im Keller, lohnt sich das Geschäft mit der Gentrifizierung umso mehr.

Der Herausgeber gibt Einblicke in Gutachten, Stellungnahmen und Gegendarstellungen, erörtert Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen und macht mit dem Titel "Der Anfang vom Ende" deutlich, dass sich die meisten HausbesitzerInnen aus der Diskussion raushalten, "weil sie darauf spekulieren, anzureißen und neu bauen zu dürfen". Nach 7 (!) Seiten politische News aus der autonomen Welt folgt mit THE SKUNKS ein erstes Interview, das uninspiriert mit erwartbaren Fragen zu Musik, Texte, Tour ist. Ganz anders hingegen das Interview mit dem Autoren Ben Zine, der mit den Abenteuern von Kat&Vamp gut beschäftigt ist und bereits mehrere Bücher geschrieben hat. Offensichtlich ist er so vertieft in seiner Arbeit, dass er selten bis gar nicht ans Telefon geht oder E-Mails beantwortet, um nicht abgelenkt zu werden vom Gestaltungsprozess seiner Geschichten, die er bis zu seinem Tod schreiben möchte. Ben Zine hat nach eigener Auskunft den 6er-Träger und die Straße gegen die Romane getauscht.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Gastbeitrag zu und über ZAD, ein seit 10 Jahren besetztes 1600 Hektar großes Areal nördlich von Nantes, Frankreich. LandwirtInnen und Einheimische haben sich dem Bau eines neuen Flughafens für Nantes widersetzt (die im Übrigen bereits einen hat). Ein Wohn- und Lebens-Experiment, das tägliche Leben und Widerstandsformen neu zu erfinden. AktivistInnen aus aller Welt, lokale LandwirtInnen und DorfbewohnerInnen, BürgerInnengruppen, HandelsgewerkschaftlerInnen und NaturalistInnen, Flüchtlinge und AusreißerInnen, BesetzerInnen und Klimarechts-AktivstInnen und viele Andere organisieren sich, um die 4000 Morgen Land zu verteidigen und zu bewirtschaften. RegierungssprecherInnen haben das Land als „für die Republik verlorenes Gebiet“ erklärt. Seine BesetzerInnen nennen es: la zad (zone a défendre), zu verteidigende Zone.

Gesamteindruck:

Der Herausgeber stellt fest, dass Punkbands gut sind um viel Lärm und Party zu veranstalten, dafür umso weniger zu erzählen wissen, wenn mensch sie befragt...". Dies hat zufolge, dass der Herausgeber mehr daran interessiert war, ein Interview mit einem Autor zu führen, "da Musiker anscheinend lieber Fragen mit Ja und Nein beantworten". Meiner Meinung nach sind es aber offensichtlich die Fragen bzw. liegt es an der Art der Fragenstellung, dass die geführten Interviews belanglos und inhaltsleer sind. Denn viele Fragen können einfach nur mit Ja oder Nein beantwortet werden. Es ergibt sich zu keinem Zeitpunkt ein kontroverses Gespräch, die Fragen sind oft zu allgemein und weniger offen ausformuliert. Das ändert sich erst, wenn der Herausgeber Themenfelder wie Gentrifizierung anführt, bei dem mensch die Zielvorstellung erahnt, die das Gespräch in eine neue, konstruktive Richtung lenkt, weil der Fragensteller zu diesen Themen ein besonderes persönliches Interesse hat. Insofern wäre es wünschenswert gewesen, der Herausgeber hätte zu diesem Thema inen Schwerpunkt erarbeitet, denn die  wie der Artikel am Anfang belegt, ist er bzw. das ROMP von Gentrifizierung unmittelbar betroffen. Eine Übersicht von Räumung bedrohter autonomer Projekte in der Schweiz mit Fallbeispielen und Interviews wäre vor diesem Hintergrund eine gute Möglichkeit, eine soziale und politische Positionierung herbeizuführen und einen kritischen Blick auf Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik zu richten. Auch mit dem Beispiel von ZAD wird deutlich, welchen Stellenwert alternative Wohn- und Lebensprojekte haben und wie BesetzerInnenbewegungen funktionieren und widerständig bleiben können.

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