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OX #134

OX #134
OX #134

OX #134
148 DIN-A-4-Seiten; € 5,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Joachim wirbt für die analoge Welt und dem Ox als alternative Gegenstrategie zum www. Kollege Tom van Laak macht sich ernsthaft Sorgen über die Symptome, die ihn plagen und will bei einem Satsang von Samarpan geholfen werden.

Wird Tom jetzt zum Hippie und Sektenanhänger? Das dürfte sich auch die Punk-Polizei fragen, wenn es um SLIME geht, die laut Dirk keine Bezugspunkte zur (Punk)-Szene mehr haben und ihre Betonung mehr auf Rock im Punk legen. Das MEKANIK DESTRÜKTIW KOMANDÖH legt indes mehr Wert auf Proto im Punk, waren erst Motherfucking Hippies, fanden Punk sexy wie einen großen Massenorgasmus. PROPAGANDHI machen einen kurzen Ausflug von der Label- in die Weltpolitik und diskutieren mit Simon Brunner darüber, was und wie viel Menschen ertragen, bevor sie Krawalle/Randale machen. ANTI FLAG wollen einen Weg finden ihr Land zurückzuerobern, haben aber auch keine Lösung, wie und verfolgen zumindest das pädagogische Lernziel, dass die Fans was von ihren Platten lernen. Für Jacob Bannon von CONVERGE ist Musik machen eine Plattform, ein Vehikel, um irgendwas los zu werden. Dafür reden Joachim und Jacob sehr intensiv über den Arbeitsprozess zum neuen Album. THE ADICTS auch, haben aber offensichtlich mehr Spaß als früher. Pete von ANTISECT war in den 80er Jahren Politaktivist und will heute lieber Musik hören von einer Band, die erzählt, wie mensch die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Peter von PTTB erklärt den Albumtitel mit einem Wortspiel aus That's yer lot=That shallot, hat genug Material für einen weitere Platte und lebt in der Nähe von Brighton in einem Wohnwagen, geht fischen und schwimmen. DRITTE WAHL sprechen heute in Metaphern und sind die ruhige Rentner, während ARRESTED DENIAL den Arsch hoch kriegen und auf Tour in China waren. Der Punk war auch in Stuttgart. Wie er dahinkam berichtet Simon Steiner, der zusammen mit Norbert Prothmann und Barny Schmidt eine Ausstellung gemacht hat und mit einem Buch (Edition Randgruppe) wie einem Sampler (Ingognito Records) die regionale Punkgeschichte von und umzu Stuttgart konzentriert festhält. „Stuttgart brennt vor Langeweile“ und Bands wie ÄTZER 81, Die Herbärds, Dreimalcurrywurstundpommes, NORMAHL oder Chaos-Z liefern den Soundtrack für das gelebte Dagegensein in einer zumindest für Heranwachsende öden Gegend.

Gesamteindruck:

Das 5-seitige Stuttgart-Punk-Special (wie auch MDK) ist sicherlich eines der Höhepunkte im aktuellen Heft. Aber auch die vielen kleinen Infos über alte Platten, Cover, Songs, Fotos, Locations usw. erinnern an einem Flohmarktbesuch, wo es auch immer einiges zu entdecken gibt, und ich mich freue, wenn ich in den Kisten voll mit Punk-Platten oder Comics wühle und mit Erstaunen feststelle, dass die schönsten Dinge im Kleinen verborgen liegen. Die haben manchmal ihren Preis, aber Punk ist ja auch ein Pilzgeflecht, von dem hier und da mal etwas an die Oberfläche dringt. Und dann ist es gut, dass das OX darüber berichtet, weil es auch um die Anfänge geht, um sich zu erinnern, dass Punk Subversion, Anti-Ästhetik, Non-Konformität und Dagegensein bedeutet. Das bietet im jeden Fall mehr Unterhaltungs-Potential, als über Abrbeitsprozesse zur aktuellen Platte von Band XY.

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