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Tierbefreiung #96

Tierbefreiung #96
Tierbefreiung #96

Tierbefreiung #96
108 DIN-A-4-Seiten; €4,00.- 
die tierbefreier e.V., Postfach 150325, 44343 Dortmund
www.tierbefreier.de
Die aktuelle Schwerpunktausgabe thematisiert "Das Sterben der Gewässer". Daniel Lau erklärt die Wichtigkeit des Themas damit, dass eine Befreiung der Tiere nicht ohne einen befreiten Planeten gelingen kann. Ein sehr komplexes Thema, das die Redaktion vor die schwierige Aufgabe gestellt hat, einige wenige Aspekte herauszupicken und in einen tierrechtsrelevanten Kontext zu stellen.

Anica Beuerbach geht der Frage nach, was der blaue Planet ohne das Meer wäre. Wir wissen, ohne Wasser gäbe es auf der Erde kein Leben. Ein intaktes Ökosystem reduziert den Nährboden für Krankheiten, eine Artenvielfalt fördert die biologische Produktivität. Daniel Lau erklärt die Auswirkungen des Korallensterbens auf das Ökosystem. Wichtigste Erkenntnis: Der Klimawandel und seine Folgen. Riffe werden durch Meerwasserverschmutzung, Überfischung, Übersäuerung und Erwärmung der Meere noch schneller als Regenwälder zerstört. Fische und andere Meeresbewohner verlieren damit ebenfalls ihren Lebensraum. Farina Graßmann schildert die Nitratbelastung von Gewässern und die Gefahr für die Tiere mit dem Verlust der biologischen Artenvielfalt. Was Farina leider außer acht lässt, ist in diesem Kontext der für die intensivierten landwirtschaftliche Nutzung Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen wie Raps und Mais (Monokultur). Der gesamte Umbau der Pflanzen- und Wurzelrückstände im Boden hängt von Bodentieren, wie zum Beispiel Regenwürmern,  und letztlich von den Bodenbakterien und -pilzen ab. Je intensiver landwirtschaftliche Böden bewirtschaftet werden, desto geringer sind Artenzahl und Vorkommen der Bodenorganismen. Aber es soll ja auch um die Gewässer gehen. Ina Schmitt untersucht die Überfischung der Meere, die Fangmethoden, Folgen des Aquafarmings und Methoden der Fischereiindustrie. Haben Fische und Wirbellose Schmerzen bzw. ein Schmerzempfinden? Hirnforscher_innen gehen davon aus, dass für die Fähigkeit zu leiden, Bewusstsein nötig ist. Bei verschiedenen Experimenten mit Krabben, Garnelen und Einsiedlerkrebsen seien alle Schmerz-Kriterien vereint gewesen und zeigten in Experimenten, dass sie ein Schmerzgedächtnis haben und z.B. Unterschlüpfe mieden, in denen sie mit Elektroschocks gequält wurden.
Des Weiteren gibt es einen Artikel über die Delfintherapie, der Gründe liefert, warum diese angebotene Therapieform unsinnig ist. Die Delfintherapie gerät zunehmend in die Kritik, da die dafür eingesetzten Delfine in den Delfinarien nicht artgerecht gehalten werden können und besonders leiden. Zudem müssen immer wieder Tiere dieser streng geschützten Art aus der Natur "nachgeliefert" werden, um den Bestand der Delfinarien zu sichern, da Nachzuchten in Gefangenschaft so gut wie nie gelingen. Diese Wildfänge wiederum bedrohen den Bestand der Delfine ernsthaft. Therapeut_innen, welche die Klientel mit der Delfintherapie behandelten, stellten keine Veränderungen fest. Die Delfintherapie ist wissenschaftlich und medizinisch nicht anerkannt und kann im Umgang mit den Delfinen, die auch in Gefangenschaft Wildtiere bleiben, lebensgefährlich sein. Die Delfine werden für die Delfintherapie regelmäßig missbraucht. Es gibt für die freiheitsliebenden Meeressäuger keine akzeptablen Haltungsbedingungen in Gefangenschaft.
Ein kleiner Schwerpunkt im Schwerpunkt sind Artikel und Interviews über den Zusammenhang von Plastikmüll und einer erhöhten Sterberate der Meeresbewohner_innen. Expert_innen schätzen, dass sich im Jahr 2017 etwa 300 Millionen Tonnen Plastik im Meer befinden. Plastik (Feuerzeuge, Plastiktüten, Plastikdeckel etc.) verursachen tödliche Verletzungen und Verstopfungen. Meeresschildkröten sind sehr anfällig für den Plastikmüll. Sie halten herumtreibende Plastiktüten für Quallen und fressen den Kunststoff. Fische verwechseln besonders das Mikroplastik mit natürlichen Plankton. Auf diese Weise gerät das Plastik auch in die Nahrungskette. Die Tiere verhungern, obwohl ihre Mägen gefüllt sind. Und zwar mit Plastikmüll, der sich nicht zersetzt. The Black Fish ist eine internationale Meeresschutz-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die öffentliche Wahrnehmung für die maritimen Ökosysteme zu sensibilisieren und ihre einzigartigen Lebensformen zu schützen. Mirjam Rebhan interviewt Josef, der seit 2015 dabei ist, den illegalen und destruktiven Fischfangpraktiken ein Ende setze und das Überleben der Artenvielfalt in unseren Ozeanen sichern will.

Gesamteindruck:

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Artikel und das Interview aus tierrechtsrelvanter Perspektive aufschlussreich und wichtig. Einige Artikel sind schlichtweg bildungspädagogische Aufsätze. Ich hätte mir ein paar mehr Interviews gewünscht, schließlich gibt es viele Kampagnen, die mit gewaltfreien, direkten Aktionen versuchen, das Überleben der Artenvielfalt in unseren Ozeanen zu sichern.

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