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TRUST #186

TRUST #186
TRUST #186

TRUST #186
68 DIN-A-4 Seiten; €3,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf verzettelt sich und sinniert über Spaß haben, Entertainment und damit Geld verdienen. Jan Röhlk liebt den 77er Punk, reflektiert seine Punk-Sozialisation und die Entzauberung beim genauen Hinsehen durch "Fan"-Treffen mit seinen "Stars", fragt, was eine gute Band mit guten Texten überhaupt ist und sucht eine Fee, die ihm 3 (Interview-)wünsche erfüllt.

Mika liest TITANIC und berichtet über militärische Kämpfe auf den Philippinen. Jan Tölva bekommt einen roten Kopf, weil er im letzten TRUST WOLF DOWN ob ihrer anti-sexistischen Attitüde gelobt hat und sich nun dafür rechtfertigen will, da die Band wegen Sexismus-Vorwürfen öffentlich angeklagt wurde. Anmerkung: Gitarrist Tobias wurde in einem veröffentlichten Blogpost von zwei Frauen beschuldigt, sexualisierte Gewalt gegen sie ausgeübt zu haben, wörtlich wird ihm sogar Vergewaltigung vorgeworfen. Auch der Drummer Sven wurde als "schwerer Sexist" bezeichnet. Die Band hat sich daraufhin aufgelöst).
Jan Röhlk stößt beim Lesen im MRR auf ein Demo_Review von SNEEZE ATTACK und stellt die Band nun im TRUST vor. Das kurze Interview ist in der Ausarbeitung der Fragen so dilettantisch, dass ich mich frage, ob Jan nicht etwa einen Ghostwriter hat, einen Jungspund, der für ihn zum allerersten Mal Fragen an einer Band stellen darf. Die meisten Fragen gehen nicht über das Band-Info hinaus. Tim Mohr hat sein Buch »Stirb nicht im Warteraum der Zukunft« geschrieben, um eine möglichst große Leser_innenschaft für die Geschichte über die Ostpunk-Szene zu gewinnen. Es hat ihn immer gestört, dass Menschen im Westen und auch gerade in Amerika das Ende des Kalten Krieges als etwas Zwangsläufiges betrachteten, und als ob die westliche Popkultur maßgeblich dafür verantwortlich sei. Seine Recherche dauerte 6 Jahre. Nach seiner Rückkehr in die Staaten stellt er "beklemmenderweise" Parallelen zwischen der USA und der DDR auf (Massenhafte Überwachung, Polizeigewalt, Feindseligkeiten gegenüber Protestbewegungen).
Die LEBENDEN TOTEN wandeln seit 16 Jahren durch Oregon und stellen mit ihren vielen internationalen Touren fest, dass die Welt heute eine andere geworden ist, als noch vor 10 oder 20 Jahren. Das hilft Frank, sich daran zu erinnern, "warum man an bestimmte Dinge glaubt und an andere nicht".
 Jan Röhlk findet zum Glück zu alter Stärke zurück, telefoniert mit Penny Rimbaud, konzentriert sich bei den Fragen auf die Gegenwart. So erfahre ich, dass Penny gerne im Garten arbeitet, kein Punk hört, weil es keine besondere Form von Musik ist, fotografiert winzige Details von Sachen und hört lieber Free Jazz und versucht weiterhin, seine Träumer umzusetzen. Die Antworten lassen auf einen einen netten Typen schließen, der die Bohèmian-Kultur liebt, ein Träumer ist, meditiert und und an einem gewöhnlichen Tag keine Pläne hat oder macht.
Bela befragt Alice Bag nach der Zeit mit THE BAGS, der L.A.-Latino/Chicano-Punkszene und dem Einfluss von Glam und der Offenheit in der frühen Punkszene für feministische Ideen und Homosexualität.

Gesamteindruck:

Die Höhepunkte sind die Interviews mit Tim Mahr und Alice Bag, wobei wieder einmal auffällt, dass gerade zeithistorische Forschungen und Aspekte das größte Potential besitzen für analytische Denk- und Handlungsprozesse, die innerhalb der Punk-Communities  globalpolitisch-interkulturell orientierte Konzepte produziert. Insofern sind diese Interviews auch inhaltlich ein Diskurs über Perspektivwechsel und welche Rolle Punk heute im Alltag spielt.

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