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OX #135

OX #135
OX #135

OX #135
148 DIN-A-4-Seiten; € 5,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Joachim hat banale Probleme und muss sich für eine von 2 favorisierte Bands entscheiden, die das Cover zieren sollen. Was folgt ist ein Sammelsurium an Infos, News. Kurze Vorstellungen über Cover-Ikonen, Plattenläden, -label, legendäre Sampler, Pop-Art-Künstler etc. Ein kurzweiliger Einstieg, um anschließend in die Bleiwüste einzutauchen.

Tom van Laak berichtet über seinen physischen und psychischen Zustand, Verdauungsprobleme und Therapiesitzung, um letztendlich wieder in einem Rauschzustand aus Port und semi-legalen Rauchwaren zu versinken.
Monchi von FEINE SAHNE FISCHFILET hat in einer Band spielen wollen, um rauszukommen. Nach Wasted in Jarmen schlägt sein wildes Herz für voranzugehen statt Weltuntergang und Monchi nutzt die Band als Kraftmotor für eine Gegenöffentlichkeit. Für Ingo DONOTS reichen 24 Stunden am Tag nicht, "48 wären besser" und seitdem die Band auf deutsch singt machen klare Ansagen in beschissenen Zeiten.
Dann geht der Punk-Blick nach Osten. Robert von REFUSE RECORDS erklärt sein Label-Konzept, die Idee dahinter und berichtet über die polnische Punk-Szene und die Hintergründe der Regierungspartei PiS und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das kleine Zonic-Special ist auch käuflich inform eines Buches zu erwerben und die Ost-Punk-Reise endet mit einem TROTTEL-Interview. Támas gibt Auskunft zu Punk in Ungarn und über die sich überschneidenden rassistischen Einstellungen von Punks und Skins.
Nach einigen weiteren Musik-Interviews folgt mit Bernd Drücke von der Zeitung GRASWURZELREVOLUTION ein sehr interessantes Interview über anarchistische Ideen und was für ihn Anarchie bedeutet. Kalle Stille hat ein gutes Langzeitgedächtnis und kramt aus diesem hervor, welche Bands in welcher Location im Schwabenlande nach 1983 gespielt haben und ergänzt mit eigenen Bezügen die Auf-/Erzählungen des Buches "Wie der Punk nach Stuttgart kam".

Gesamteindruck:

Nach wie vor interessieren mich weniger die Band-Interviews, die bis auf wenige Ausnahmen nicht die Lebenswelten von innen heraus beschreiben/reflektieren. Das kleine Ost-Punk-Special liefert aber gerade diese Offenheit und belegt wieder einmal, dass Biographien bestens dafür geeignet sind, Eindrücke, Irritationen, Einflüsse, Gefühle, Widersprüche von Punk einzufangen. Das sind dann auch die Stärken im aktuellen OX. Und ja, weniger wäre oftmals mehr. Also lieber weniger musikrelevante Interviews zum aktuellen Album, als mehr gehaltvolle, längere und ausführliche Lebenswelten, die Punk auch dokumentarisch aufbereitet. Punk ist aufgrund der langen Geschichte auch Geschichtsforschung. Hierbei geht es nicht um gegenwärtige Ansichten oder Bedeutungen oder um gegenwärtiges subjektives Erleben, sondern um ehemalige und damit erinnerte Ereignisse und everyone ́s unique life experiences.

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