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TRUST #188

TRUST #188
TRUST #188

TRUST #188
68 DIN-A-4 Seiten; €3,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf macht Appetit und bekommt in der Gerüchteküche Heißhunger, ohne etwas von seinen Rezepten zu verraten und hält sich an das GEMRS'sche "What we do is secret". Der zärtliche Zyniker hat schlechte Laune, Jan Röhlk stellt seine Playlist nebst Erklärungen für einen DJ-Abend vor.

Auch bei Mika geht es um Musik und er erklärt, dass er - wenn er danach gefragt wird - nur konservative Musik höre: Punk und Country. Auch bela hört Musik, beschreibt seinen subjektiv ausgewählten Griff ins Plattenregal und begibt sich auf die Suche nach neuen, spannenden Bands und Musik, die er auf einem CD-R-Sampler zusammengestellt hat. Dolf hat seinen Schützlingen wohl Hausaufgaben aufgetragen, denn auch Lars Schubach sucht nach Protest Songs aus dem zurückliegenden Jahr und resümiert, dass es in diesen Songs meist um den Ausdruck einer Stimmung geht, "weniger um das Überzeugen Andersdenkender".
Jan Röhlk müht sich im Interview mit Sänger, Gitarrist Marc von QUEST FOR RESCUE ab, der kühl, sachlich und manchmal auch einsilbig antwortet, als sei er von Jans Fragen gelangweilt oder ist er einfach selbst nur ein langweiliger Typ, der lieber zu Hause bleibt, Gitarre spielt, ein, zwei Bier trinkt und Songs schreibt.
Was erlauben Dolf? Seit Jahren, ach was, Jahrzehnten, steuert er mal wieder neben seiner Kolumne etwas zum Inhalt bei und führt ein Interview mit der neu gegründeten Konzertgruppe O-TON SHOWS aus Bremen, die sich vorstellt und durch den Abend mosht, mit politischer Attitüde, Spaß und Rücksicht, selbst wenn mal jemand mit einem Döner in der Hand im BDP-Haus auftaucht. WOLF MOUNTAIN kokettieren mit dem Kiffer-Image und mit der Verbindung der Kifferei verschwinden dann auch Hemmschwellen und froh wären, eine Art Rock-Gottesdienst aufzuziehen.
Ralf von KINK RECORDS entschuldigt sich erst mal für die lange Wartezeit auf die Antworten, mit denen er sein Geschäftsmodell erklärt, die Idee dahinter und die Kriterien für die Labelbands.
bela ist vom frickeligen, hektisch-nervösen Rhythmus der TICS-Musik begeistert, die er in die Nähe zu MINUTEMEN rückt, für die Punk aber einfach nur ein Musikstil ist und erklären am Fallbeispiel Deutschpunk und PISSE, warum sie so vieles sind und andere nicht.
Claas Reiners skizziert STUNs Musik, eine "Bremer Alternative-Pop Neuentdeckung", die nach Claas Beschreibung "Noise-Anleihen, Indie-Rock, Postcore-Elemente, etwas 90er Emo, Grunge" aufgreift und fühlt sich vom Vorgehen und der Kreativität an Bands wie FUGAZI erinnert.

Gesamteindruck:

Ich kenne die Musik von STUN nicht. Aber Claas' Aussagen und Beschreibungen liefern genügend Belege, warum More than Punk eben nicht nur eine Floskel ist, sondern neben dem berühmten Blick über den Tellerrand auch Standard-Motive aufhebt zugunsten eines etwas viel dynamischeren, komplexeren und erforschenderen. Auf dieser Grundlage sollten die TRUST'lerInnen weiter arbeiten, denn in dieser aktuellen Ausgabe gibt es zu viele Standards und InterviewpartnerInnen, die austauschbare, standardisierte Fragenkataloge beantworten und selten interessante Hintergründe und Einblicke liefern, die nicht schon bekannt sind.

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