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Seenotrettung - Gedenken an Martin

Das tote Kind Martin
Das tote Kind Martin

“Das tote Baby in Martins Armen - zwei Jahre ist das schon her”. Ein Satz, ausgesprochen auf einem Sea-Watch-Treffen vergangene Woche. Am 26. Mai 2016 passierte das, was viele HelferInnen rational betrachtet für unausweichlich, emotional gesehen aber für unvorstellbar hielten: Ihre Hilfe kam zu spät.

Zwar rettete die Sea-Watch-Crew an jenem Donnerstag vor zwei Jahren zahlreiche Menschenleben. Aber der kleine Junge konnte von Martin nur noch tot geborgen werden. Das tote Baby. Eine Katastrophe mit Ansage. Und eine Katastrophe ohne Konsequenzen. 24 Monate später ist die Lage im Mittelmeer kein bisschen besser. Flucht, Leid, Tod und das Wegsehen der EU haben Hochsaison. Während die Sea-Watch 3 vor wenigen Tagen binnen elf Stunden in die Rettung von mehr als 400 Menschen involviert war (darunter wieder viele Kinder), dokumentierte das Moonbird-Flugzeug, wie ein Militärschiff der Operation EUNAVFOR Med die Rettung Schiffbrüchiger verweigerte und sich vom Unglücksort entfernte.

Aktivist Kai mit geretteten Kindern im Mai 2018. Foto: Chris Grodotzki
Aktivist Kai mit geretteten Kindern im Mai 2018. Foto: Chris Grodotzki

Umso aktiver war indes die EU-finanzierte sogenannte Libysche Küstenwache, die seit Wochen mit immer neuen "Pullback"-Aktionen für Panik unter den Flüchtenden sorgt. Längst hat sich herumgesprochen, dass Aufgegriffene in libysche Internierungslager verschleppt werden. Fünf Menschen ertranken am Freitag beim Versuch, diesem Schicksal zu entkommen. Hinzu kommen Schikanen, wie sie Sea-Eye erfahren musste: Italienische Behörden zwangen die Seefuchs zur Überführung von über 100 Geretteten nach Sizilien, obwohl das Schiff für diesen Transport weder technisch geeignet noch ausgestattet ist. Nur mit Glück wurde eine Katastrophe verhindert.

Fazit:

Ohne den Einsatz der zivilen Seenotrettungsflotte wäre die Lage im zentralen Mittelmeer noch deutlich verheerender, als sie es ohnehin schon ist. Noch mehr Menschen würden leiden. Noch mehr würden sterben.

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