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PROUD TO BE PUNK #28

PROUD TO BE PUNK #28
PROUD TO BE PUNK #28

PROUD TO BE PUNK #28
80 DIN-A-5-Seiten; €2,50.-
jan.sobe@t-online.de
Jan schildert den Verlauf einer Deutschstunde und die Möglichkeiten, als Lehrer auf konstruktive Ideen der SchülerInnen einzugehen bzw. inwieweit er in seiner Funktion als Lehrer bereit ist, politische und moralische Überzeugungen - die auch mal im Widerspruch zu eigenen Werten stehen - offenzulegen und zu diskutieren.

Jan schreibt auf Grundlage des Buches "Warschauer Punk Pakt: Punk im Ostblock 1977–1989" eine 11-seitige (!!!!) Zusammenfassung mit Bandporträts und ergänzende Zeitzeugen-Aussagen zu Ostpunk, Kunst vs. Punk, Repression und Toleranz. 1977 begründete die slowenische Band Pankrti mit ihrer ersten Show den Durchbruch von Punk in der sozialistischen Öffentlichkeit. Im gleichen Jahr gründeten sich in Ungarn die Konzept-Kunst-Band Spions sowie in Polen die Walek Dzedzej Pank Bend und KSU. Der Blick auf die Gesamtheit der ehemaligen Ostblock-Staaten lässt Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede im (sub-)kulturpolitisch gar nicht so einheitlichen Block erkennen, genauso wie die raren Momente gegenseitiger Wahrnehmung oder gar der Kooperation. Jan bemängelt lediglich, dass die zentrale Frage, was Punk denn nun eigentlich (nicht) wollte, unbeantwortet bleibt. Das sehe ich anders, denn im Buch ergeben sich alleine aus den Aussagen Hinweise darauf, dass Punk-sein im Ostblock  aufgrund der gesellschaftlichen Zustände immer eine politische Stoßrichtung war und gegenüber den westlichen Staaten nicht kommerziell oder als eine Modebewegung vereinnahmt wurde.
Darüber hinaus besucht Jan die Ausstellung "Wutanfall - Die Punkband im Visier der Stasi - 1981 bis 1984", skizziert die Band-Geschichte nach, die "als erste Punkband Leipzigs ein Grundpfeiler heutiger Subkultur war". Die Ausstellung setzte sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Freiheitsdrang und Repression auseinander.
Den passenden Rahmen zur Ausstellung bietet der Katalog/Bildband "Wutanfall - Punk in der DDR" von Christiane Eisler, mit Fotografien, die einen Eindruck vermitteln, was sich im Leben einzelner ehemaliger Punks verändert hat. Das 316seitige Buch beinhaltet  unbekanntes und noch nicht veröffentlichtes Fotomaterial, kombiniert mit Texten, Zeichnungen, Unterlagen – auch die der Stasibehörde. Punks kommen zu Wort mithilfe ihrer Äußerungen von früher, aber auch durch aktuelle Wortbeiträge.
Im Anschluss folgt ein Interview mit Kurator Jakob "Schrammel" Geisler, der für das Label Truemmer Pogo gleichzeitig einen Vinyl-Gesamtüberblick über das Schaffen der Band von 1981 bis 1983 zusammengestellt hat.
Auch Geralf Pochop wurde von Punk infiziert. 2018 erschien die Autobiographie "Untergrund war Strategie. Punk in der DDR: Zwischen Rebellion und Repression" mit autobiografische Erinnerungen über seine Erlebnisse und Erfahrungen in der Punk-Szene der DDR in den achtziger Jahren. Anhand persönlicher Schilderungen, ergänzt durch viele Fotos, Dokumente und Auszüge aus Stasiakten, beschreibt Geralf, wie die DDR mit Jugendlichen aus der subkulturellen Szene umging. Jan schreibt eine 6seitige (!!!) Inhaltsangabe zum Buch.
Nach so viel Ostpunk folgt mit F*ucking Angry ein Interview mit Reflexionen zu reaktionären Verhaltensweisen, Sexismus, Grenzerfahrungen, Therapien.
Martin und Chrizzler von RIOT BIKE RECORDS schildern im Interview Gründe, ein Label zu starten (und so zu nennen) und was Hamburg aus antifaschistischer Seite und punkaffin zu bieten hat.
Ein weiteres kleines Special zu FemPunk Fanzines liefert Einblicke zu aMUSED, Okapi Riot und Fe_Male Focus und die Ansprüche/Standpunkte der Herausgeberinnen.

Gesamteindruck:

Neben den Standard-Rubriken hat Jan 2 Schwerpunkte erarbeitet. Insbesondere das Ostpunk-Special auf Grundlage von Büchern und der Ausstellung ist akribisch und detailliert ausgearbeitet, wobei ich die Auswahl der InterviewpartnerInnen etwas unglücklich finde, denn mit Christiane, Wutanfall-Musiker und Geralf hätte es einen besseren und direkteren Zugang gegeben. Das Fem-Punk-Fanzine-Special geht dabei leider etwas unter und erreicht nicht die übliche Qualität seiner Ausarbeitungen, weil in dem Kontext des Specials viele, viele Aspekte nicht berücksichtigt worden sind. Frauen als Akteurinnen, ambivalent und politisch. Feministisch, die Perspektive: Theorie, Alltagspraxis, Analyse, Vernetzung böte ein umfangreicheres Angebot.
Jan bezieht sich in seinen Ausarbeitungen auf bereits geschaffenen Strukturen und Ressourcen, bezieht sich zentral auf deren inhaltlichen Positionen und kommentiert diese. Das ist löblich und unterstreicht die Vielseligkeit im Punk mit unterschiedlichen Perspektiven und Strategien, die die vorgestellten Personen offenlegen. Nach wie vor ist das P.t.b.P. eine der wenigen ausnahmen im DIY-Fanzine-Sektor, da Jan es im Sinne einer Diskussions-, Informationsplattform nutzt. Theoretisch orientiertes Denken der Community anregen und ein Forum für politische Auseinandersetzungen bieten. Bei der Auswahl inhaltlicher Fragestellungen spielen Vielfalt ebenso wie politische Positionierung eine Rolle. Jan versteht es ausgezeichnet, neue Themen anzusprechen oder auch bereits diskutierte Fragen erneut kritisch aufzugreifen.

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