· 

Machtkämpfe - Rechts überholen und das Streben nach Überlegenheit

Was haben der FC Bayern, CDU, CSU, SPD und die deutsche Nationalmannschaft gemeinsam? Eine selbstgerechte Haltung, mit der es gilt, Pech, Krisen und Eitelkeiten zu verdrängen! Es mutet sich an wie eine bizarre Komödie, in der - fernab der Realität - Menschen beginnen, ihre selbst gemachten Fehler umzukehren in verbale Selbstverteidigung und übertriebene Euphorie.

So hat bspw. Gerhard Schröder 2005 einen bizarren Abgang hingelegt. Alkohol soll dabei keine Rolle gespielt haben, als er in der sogenannten "Elefantenrunde" ("Berliner Runde" von ARD und ZDF) als tobender Macho selbstverliebt, arrogant und selbstherrlich glucksend davon überzeugt war, dass niemand außer ihm "in der Lage" sei, "eine stabile Regierung zu stellen und schon gar nicht Frau Merkel. Und sowieso..."machen Sie sich da gar nichts vor!"

Nun, Realitätsverlust scheint stets einherzugehen mit einer selbstgerechten Haltung.
Am letzten Freitag gaben die Bayern-Bosse Rummenigge und Hoeneß zum verbalen Rundumschlag gegen die Medien aus. Eine ungewohnte Situation für einen Sportverein, der erfolgsverwöhnt ist und sich gerne arrogant als konkurrenzlos. "Dieser Verein wird sich wieder zu einer Einheit in der Öffentlichkeit darstellen, wie Sie das lange Zeit nicht erlebt haben" sagte Uli Hoeneß, was sich wie eine Drohung anhört, so, als ob der Verein zukünftig über alle Maßen erhaben gegen jegliche Kritik von Außen sei. Zwischen Grenzerfahrung und Größenwahn agier(t)en PolitkerInnen, DiktatorInnen, Wirtschaftsbosse jeglicher Couleur, denen jegliche Urteilskraft abhanden gekommen schien, schon immer. Verstand und Vernunft gestaltet sich als problematisch, wenn das euphorisierende Glücksgefühl, das Erhabene in Begegnungen mit anderen zusammenbricht. In der Folge werden Kriege angezettelt, ganze Landstriche dem Erdboden gleichgemacht, sprich: Naturphänomene herbeigeführt, die ebenso über alle Maßen mächtig zu sein scheinen. Nun geht mir der FC Bayern und die von Rummenigge/Hoeneß doppelbödige Moral/Arroganz am Arsch vorbei.
Wenn bei PolitkerInnen hingegen Wunschdenken und die Realität im Widerspruch stehen, halte ich das für sehr gefährlich. Trump, Putin, Erdogan setzen immer wieder Alternative Fakten (Unwahrheiten/Lügen) für ihre Interessen ein. Was auffällig ist, dass PolitikerInnen und Wirtschaftsbosse an ihren Privilegien festhalten wollen. Die Herren bei Volkswagen leisten mit dem neuen Umtauschprogramm "einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität", weil der Konzern das für die wirtschaftlich schlaueste Strategie hält. Anstelle Tausend Euro zu investieren, um ein dreckiges Auto ein bisschen sauberer zu bekommen, verkaufen sie lieber ein neues Auto mit höheren Rabatten, verdient noch daran und ist das Problem los. Wer gesellschaftliche Verantwortung scheint nur im eigenen Interesse zu liegen, um für sich selbst das Beste rauszuholen. Und dieses Verhalten lässt sich problemlos auf RWE (im Kampf mit widerständigen KlimaschützerInnen), Rummenigge/Hoeneß (im Kampf mit den Medien), Löw/DFB /im Kampf mit sich selbst) übertragen. Bevor sie ein Scheitern akzeptieren und eingestehen, gar selbstlos handeln, werden weiter Forderungen gestellt, um eine Überlegenheit zu demonstrieren. Das Aufeinanderprallen "überlebensgroßer Egos" im Top-Management oder in der Politik, etwa beim Ringen zweier PolitikerInnen um die Kanzlerkandidatur, beim "Elefantenschach" zwischen ambitionierten ManagerInnen oder bei einer "Kraftprobe" zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Sie glauben, dass Machtkämpfe in ihrem eigenen Leben keine nennenswerte Rolle spielten. Doch bei genauerem Hinsehen ist der Alltag voll von Machtkämpfen. Machtkämpfe können sich auch aus dem ergeben, was wir etwas hilflos "die persönliche Chemie" nennen: Jemand, den wir noch nie gesehen haben, kommt zur Tür herein, und sofort ist eine ausgeprägte Antipathie da. Ohne dass irgendetwas vorgefallen ist, kann diese spontane Ablehnung so ausgeprägt sein, dass wir beinahe reflexartig damit beginnen, den Betreffenden zu bekämpfen. Oft entsteht spontane Antipathie, weil der andere schon auf den ersten Blick etwas verkörpert, was uns gegen ihn einnimmt: Schon sein Auftreten und Erscheinungsbild löst feindselige und/oder ängstliche Gefühle in uns aus. Bei genauerer Analyse ist dafür nicht so sehr sein Auftreten und Verhalten ausschlaggebend, sondern unser "inneres Echo" darauf. Ein Paradebeispiel für die spontane Entstehung von Machtkämpfen sind die Rangeleien auf der Autobahn. Das Beispiel Autobahn zeigt auch, wie schnell Machtkämpfe eskalieren können. Wo wir bei der AfD wären. Neoliberalismus, Rassismus, Arroganz als Programm und Attitüde. Die Partei fordert in Anlehnung an das Kirchhof’sche Steuermodell massive Kürzungen staatlicher Leistungen, wovon vor allem die "kleinen Leute" betroffen wären, deren Interessen die AfD vorgibt, zu vertreten. Wer sich in Zeiten der Arbeitslosigkeit nicht über Wasser halten kann, weil die private Vorsorge nicht ausreicht, muss eben zusehen, dass er eine Familie hat, die ihm hilft. Das Streben nach Überlegenheit bedient die Elite, ihr Dominanzstreben bedroht ganze Existenzen. Widerstände können durch Empathie, Festigkeit und offene Kommunikation aufgelöst werden. Und bevor es zu Vergeltung kommt, markiere ich in der Grenze zwischen den Extremen meine eigene Widersprüchlichkeit, das revolutionäre Potential des Dagegen-Seins.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0