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INFERNO - Hibakusha

INFERNO - Hibakusha
INFERNO - Hibakusha

INFERNO

Hibakusha LP
Power It Up Records
INFERNO aus Augsburg fanden dank Manager Dolfs Kontakte internationalen Anklang. Pushead hatte das Cover des Debütalbums, Tod und Wahnsinn, gestaltet und eine Split-LP mit Exceute aus Japan sowie die beiden Songs "Wir sind schon tot" und "Freitod" vom der "Cleanse the bacteria"-Sampler wurden auf seinem Label, Pusmort, veröffentlicht.

INFERNO hatten mit ihrem Debüt einen für damalige Deutschpunk-Verhältnisse untypischen ungemein brutalen Speed-Hardcore_Sound und mit ihrem Debütalbum einen zeitlosen Klassiker vorgelegt, der aber auch sehr naiv-infantile Texte beherbergte. Nach meinem Ermessen waren die ’85er Aufnahmen die Glanzzeit, als INFERNO vor allem international auftrumpfte und in Zusammenarbeit mit Harris Johns (Musiclab Studio Berlin) den Sound perfektionierte, aber nicht bändigte. INFERNO bekamen Anfragen vom amerikanische Punkmagazin "Maximum of Rock’ n’ Roll" für den Sampler "Wecome to 1984", sowie Fanbriefe aus Übersee. Der Nachfolger "Hibakusha" (ein japanischer Begriff, der die Atombombenexplosionen in Japan umschrieb: Menschen, Leiden, Tod) erschien 1986 auf dem selbst gegründeten Label Rise&Fall. Sänger Howie war das Organisationstalent und kümmerte sich um den Vertrieb der Platte. "Hibakusha" war soundtechnisch raffinierter und komplexer, der High-Speed-Sound wich einem bisweilen HeavyRock-Sound ("Ich liebe nur mich"), der die Punk-Klientel immer noch überforderte, denn INFERNO waren damals die einzigen, die mit extremen Geschwindigkeiten experimentierten. Typische Hardcore- Tanzstile wie Slamdance und Stagediving mussten in Deutschland ja erst noch eingeführt werden, darum taten sich die Leute auch schwer, sich zu dem Lärm zu bewegen. Die Unterschiede zwischen Punk und HC waren noch nicht so gravierend wie heute und INFERNO waren seiner Zeit weit voraus. Max' Schlagzeugstil mit galoppierendem Double-Bass und Archies metallisch dynamisches Gitarrenspiel entwickelte sich noch vor den Crossover-Stilen von Bands Anthrax oder SOD, doch INFERNO galt weiterhin als Deutschpunkband, zu der gepogt wurde. "Hibakusha" wirkt von Produktion und Sound deutlich reifer, gleichwohl INFERNO genauso drauf los prügelten wie auch bei den ersten Aufnahmen. Als "Musiker" gingen sie damals allerdings erfahrener an die Sache ran und spielten ganz einfach auch etwas besser. Die Aufnahmen dauerten incl. Mix doppelt so lange wie für das "Tod und Wahnsinn"-Debütalbum und textlich gab es vielfältige Themen, persönliche und politische Texte, die ernst, bissig und ironisch ausgearbeitet wurden. Einziger Schwachpunkt ist das Cover "No one rules" mit Howies schrecklichem bayerischen Akzent. Dafür gefällt mir die neue Version von "Ein Tag im Schatten" besser als auf dem Hardcore Power Music Vol. 2.
Während "Tod und Wahnsinn" einschlug wie eine Bombe, ist "Hibakusha" die musikalisch logische Konsequenz aus brachialer Gewalt, die sich dynamisch entfaltet und somit nachhaltiger wirkt.

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