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Roller Derby - Inklusivität, Diversität und Feminismus

Korea vs Iran; Foto: Marie Leander
Korea vs Iran; Foto: Marie Leander

Roller Derby kennen vielleicht noch nicht viele Menschen in Deutschland. Ursprünglich kommt der von Frauen dominierter Vollkontaktsport auf Rollen aus den USA. In den 1930er Jahren fanden dort die ersten Spiele statt und Roller Derby entwickelte sich bis in die 1970er Jahre zu einem durch und durch kommerzialisierten Sport, der mehr einem Show- „Kampf“ glich. 

Checks und Fouls wurden abgesprochen, um den Fans spektakuläre Aktionen zu bieten, ähnlich wie beim Wrestling.

Ein Revival erlebte der Vollkontaktsport Ende der 1990er Jahre in den USA. Viele der Spielerinnen hatten einen Background in der Punk- und „Riot-Grrrl“ Bewegung. In den Anfangstagen unterwegs mit viel Glitzer, Netzstrumpfhosen, bemalten Helmen und martialisch-kreativen Namen wie ‚War Hine‘, ‚Camikaze Caro‘, ‚American Psycho‘, ‚Femme Krawall‘1, fing der immer beliebter werdende Roller Sport an, auch in Deutschland eine Rolle zu spielen. Das erste Team in Deutschland gründete sich 2006 mit Valley Rollergirlz in Stuttgart. Heute gibt es mit Roller Derby Deutschland eine gemeinnützige Organisation von und für die Roller Derby Community. Roller Derby Deutschland stellt sich zudem offen gegen jegliche Art der Ausgrenzung und Diskriminierung und steht für Inklusivität und Diversität. Der Vollkontaktsport zeichnet sich auch durch ein faires, positives und lockeres Miteinander aus, räumt mit Geschlechterrollen-Klischees auf, ist spannend, kraftvoll und macht Spaß!

Teams wie Dresden Pioneers, Bear City Roller Derby, Hamburg Harbor Girls spielen in der Bundesliga. Zombie Rollergirlz Münster, Demolition Derby Dolls in der 2. Bundesliga und weitere Teams in der 3. Liga (Nord/Süd). Des Weiteren haben die meisten Teams mittlerweile A- und B- und/oder C-Teams, spielen auch auf internationaler Ebene gegen Teams aus anderen Ländern. Darüber hinaus gibt es ein Frauennationalteam, das regelmäßig trainiert, um sich auf internationale Wettkämpfe vorzubereiten. Männer* übernehmen zumeist die Rolle des Schiedsrichters2 oder sind die Team-Trainer. Gespielt wird gegen den Uhrzeigersinn auf einer ovalen Bahn nach dem Regelwerk der „Women's Flat Track Derby Association“ 3

Die Regeln im Überblick

Spieldauer: 2 x 30 Minuten

Jedes Team besteht aus max.15 Spielerinnen. Fünf sind jeweils aktiv in einem Jam. Pro Halbzeit werden so viele Jams gefahren, wie möglich. Ein Jam dauert max. 2 Minuten. Dann sind 30 Sekunden Pause, in der die Spielerinnen ausgewechselt werden können, und der nächste Jam beginnt.

Pro Team spielen in einem Jam drei Blockerinnen, eine Jammerin und ein Pivot. Der Pivot ist eine Blockerin mit besonderen Privilegien. Die Jammerin macht die Punkte für ihr Team. Jede Spielerin, die sie überholt, bringt ihrem Team einen Punkt. Die Blockerinnen versuchen, das zu verhindern4. Gerade die JammerInnen haben einen sehr harten Job. Die BlockerInnen versuchen, die JammerInnen - also die PunktemacherInnen - aufzuhalten, indem sie sie nicht vorbeilassen. Und die JammerInnen müssen sich an den gegnerischen Blockerinnen vorbeidrücken, komme, was wolle. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Wichtigste Voraussetzung: einen guten Schutz. Um sich zu schützen, tragen sie daher Schoner an Ellbogen, Knien und Handgelenken, dazu einen Helm und Zahnschutz. 

Auch wenn Glitzer und Derby-Künstlerinnennamen überlebt haben, mit Showkampf hat der Sport heute nichts mehr zu tun. Das Regelwerk ist sehr komplex und wird ständig evaluiert, was enorm wichtig ist für die Weiterentwicklung des Sports und die Partizipation. Neben dem Sport und dem Spaß geht es auch um die Aufweichung der Geschlechterverhältnisse, um die Überwindung der Geschlechterrollenbilder. Für viele Personen, zum Beispiel für Trans*Personen ist es auch ein Sport geworden, bei dem sie eine offene Gender-Politk erfahren/erleben und sich aufgenommen fühlen. Roller Derby impliziert eine Sportart mit politischen Anspruch, ist inklusiv, partizipativ, feministisch. Sie lädt besonders Frauen zu einer sportlichen Selbsterfahrung ein, die sich jenseits von konservativen, gesellschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit abspielt. Und genau darin liegt ihre Anziehungskraft. 

Ellen Page (mi.); Drew Barrymore (li.)
Ellen Page (mi.); Drew Barrymore (li.)

Diese versuchte Drew Barrymore einzufangen, als sie 2009 mit dem Film „Whip It“ (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Shauna Cross) ihr Regie-Debüt feierte und als ‚Smashley Simpson‘ selbst ein Roller Girl mimte. ‚Whip it‘ (dt. Titel ‚Roller Girl‘)  ist eine Dramedy, eine Hollywood-Hommage an den Roller Sport, zeigt aber mit Ellen Page als Babe Ruthless (Roller Derby-Name) aka Bliss Cavendar auch wie die anfangs schüchterne und ängstliche Figur Selbstbewusstsein und Reife gewinnt und lernt, sich im Alltag durchzusetzen. Ihre Mutter schickt Bliss zu Schönheitswettbewerben, an denen sie teilnimmt, um ihrer Mutter einen Gefallen zu tun, findet erst durch einen Roller-Derby-Liga-Besuch in der nächstgelegenen Großstadt Austin ihre eigentliche Bestimmung, ist fasziniert von den wilden, unangepassten Spielerinnen und „verwandelt“ sich als Babe Ruthless in ein Roller Girl1.

Fußnoten:

1. Eine Übersicht der registrierten SpielerInnen/SchiedsrichterInnen der Derby Roll Call Name Registration: http://www.derbyrollcall.com/everyone

2. Beim Roller Derby gibt es sieben SchiedsrichterInnen auf Rollschuhen und nochmal neun die sich um die Strafbänke, Zeiterfassung, Punktezählung usw. konzentrieren

3. https://rules.wftda.com/

4. weitere Infos zum Spielablauf: https://rollerderbygermany.de/?page_id=85

5. Trailer: https://youtu.be/2-xIUPfUp9E 

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