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PLASTIC BOMB #105

PLASTIC BOMB #105
PLASTIC BOMB #105

PLASTIC BOMB #105
64 DIN-A-4-Seiten; € 3,50.-
Plastic Bomb, Postfach 100205, 47002 Duisburg
www.plastic-bomb.de
Ronja berichtet von der Geschäftsidee bis zur Ausgestaltung eines vorübergehenden Plattenladens, Basti reflektiert die Pogrome vom August 1992 in Rostock-Lichtenhagen, kommentiert den Einsatz von V-Leuten und stellt den VS infrage.

Sven stellt das Schulsystem an sich infrage, dass von den Lehrkörpern einerseits ein hohes Maß an Heterogenität verlangt, andererseits in Fortbildungen das Rüstzeug mitbekommt, wie er in der Funktion als Lehrer/Erzieher verhaltensauffällige/retardierte und geistig wie körperlich beeinträchtige Kinder altersgerecht fördern/unterrichten soll.
Basti greift in "Geschichten aus der Gruft" Kindheitserinnerungen an Fix&Foxi, YPS, LUPO, Asterix&Obelix auf und blickt hinter die rassistischen Gedankenwelten der Autoren wie Rolf Kauka. Zu ihm hat Basti recherchiert und an dessen Biographie entdeckt, dass Kauka an die Rechte von Asterix&Obelix gelangte und von 1965 bis 1966 mit eigens vorgenommenen Übersetzungen Völker/religiöse Gruppen mit kriegslüsternen und neurotischen Figuren stigmatisierte und ihnen antisemitische/rassistische Merkmale/Charaktergenschaften zusprach. Als die Keltenkrieger im Heft Nr. 6 von Kaukas Zeitschrift "Lupo modern" erstmals deutschen LeserInnen begegneten, waren aus Asterix&Obelix zwei Germanen namens "Siggi und Babarras" geworden. Während derartige Einbürgerungen und Umtaufungen noch im Rahmen dessen lagen, was regelmäßig mit Comicfiguren in einer längst noch nicht so globalisierten und von internationalen Lizenzverträgen regulierten Szene angestellt wurde, stellte der politische Missbrauch, den Kauka mit Asterix und Obelix trieb, einen Verstoß sogar gegen die rauen Sitten der Heftchen-Branche dar. Kauka wurde damals gern als "deutscher Walt Disney" gefeiert, der in seinen Übersetzungen deutschnationale und stockreaktionäre Inhalte und Propaganda hat einfließen lassen.
Basti hört aber auch gerne Ska und befragt Emma und Matzge über ihr Buch "Ska im Transit" (Basti titelt fälschlicherweise "Interview mit den Filmemachern"), die hierfür Interviews mit Musikern und Machern der Ska-Szene geführt haben. Das Buch ist das erste und bislang einzige Buch über die Entwicklung des Ska in Deutschland Ost und West vor und nach der Wende. Ronja befragt Richy von BZFOS nach einem Unplugged-Konzertbesuch und erfährt, dass er eine stattliche Sammlung an Filmsoundtracks hat, Horror- und Death Matal-affine Musik abfeiert und True Crime-Filme als Inspirationsquelle dient. Ronja stellt ihre New Wave-/Post Punk-Faves vor, TV SMITH klimpert immer noch auf der Gitarre rum, schreibt Bücher und erläutert seine gesellschaftskritische, sozialen wie politischen Textinhalte. Deutschpunk und Straight Edge sind für Pascal ein Oxymoron, ist dieses Genre für ihn als Abstinenzler synonym für "Rauschmittel-Aspekt", entdeckt aber auch neue Bands, die über wichtigere Dinge als Alkohol schreiben/singen und auch keinen Quotensong übers Saufen im Repertoire haben. Mit Häktor interviewt Frank Z. von ABWÄRTS, der die Bandbiographie reflektiert, Bäppi stellt Frank Fatal und sein (derzeit inaktives) Fanzineprojekt "Der gestreckte Mittelfinger" vor, währenddessen Ronja und Kniep den 2. Teil ihres "Leipzig"-Städtereports vorstellen und Seiten später Jogges von EMPOWERMENT Erziehungsfragen beantwortet und alle Farben des Widerstands super findet.

Gesamteindruck:

Die aktuelle Ausgabe wirkt mitunter chaotisch, hat aber aufgrund der jeweiligen SchreiberInnen einen individuellen Charakter, was wiederum bewirkt, dass der Inhalt sehr vielseitig ist. Politische Themen, Musik, Szenereports und persönliche Gedankenwelten skizzieren einen flexiblen Prozess, den die P.B.-Redaktion anstrebt. Die Auswirkungen des Umbruchs sind seit einigen Ausgaben mehr oder weniger an den eigenen Ansprüchen gescheitert, die starre Vorgabe von Standards zu verlassen und ließen kein Profil erkennen. Die aktuelle Ausgabe besitzt aber ein ausgewogenes Maß an Themenpaletten, denen mir aber in großen Teilen eine diskursive Spannung fehlt.

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