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Agrar-Atlas fordert radikale Reform der Landwirtschaft

Agrar-Atlas 2019
Agrar-Atlas 2019

Anlässlich der Landwirtschaftsmesse "Grüne Woche", die ab dem 18. Januar in Berlin stattfindet, wird jedes Jahr der Agrar-Atlas veröffentlicht. Im Zentrum steht diesmal die EU-Agrarpolitik, denn auf EU-Ebene wird momentan um das Budget für die nächste Förderperiode ab 2021 gestritten.

Statt den umstrittenen Direktzahlungen nach Fläche, fordern die Initiatoren des Agrar-Atlas, dass die hohen Subventionen von 60 Milliarden Euro künftig in Umwelt- und Tierschutz fließen. Interessant ist auch, dass die EU-Kommission erstmals Tierschutz-Ziele definiert. Die Mitgliedsstaaten sollen verpflichtet werden, eine Strategie für die Umsetzung von Tierschutzprogrammen zu entwickeln.

Die MacherInnen des Agrar-Atlas fordern vor allem ein Umsteuern bei der Verteilung der Mittel. Sie kritisieren, dass 70 Prozent der EU-Mittel ohne weitreichende Auflagen verteilt werden. Derzeit gelte: Wer viel Land bewirtschaftet, bekommt auch viel Geld. An diesen Direktzahlungen will der Deutsche Bauernverband auch unbedingt festhalten. Nur 25 Prozent der Mittel sind dagegen an Bedingungen geknüpft. Sie fließen in benachteiligte Regionen, in den Ökolandbau sowie in Leistungen zum Schutz von Klima, Umwelt und Natur. Der BUND-Vorsitzende Weiger fordert: "Fördergelder müssen für das ausgegeben werden, wofür Erzeuger kein Geld am Markt bekommen: Die artgerechte Haltung von Tieren, der Schutz von Vögeln und Insekten, von Gewässern und des Trinkwassers."

Quelle: Agrar-Atlas 2019
Quelle: Agrar-Atlas 2019

Während Pestizide in der Ökolandwirtschaft weitgehend verboten sind, wollen viele konventionelle Landwirte nicht darauf verzichten. Die Mittel sind ein Milliardengeschäft für Hersteller wie Bayer und BASF. Europaweit sind die Einsatzmengen insgesamt seit Jahren nahezu konstant. Jedoch gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern: In Spanien und Frankreich wurde zuletzt mehr verkauft, in Deutschland gingen die Verkäufe zwischen 2011 und 2016 dagegen deutlich zurück. "Der gemeinsamen Agrarpolitik fehlen Instrumente, um den Einsatz von Pestiziden deutlich zu verringern", heißt es im Agrar-Atlas. Auch gebe es zu viele Ausnahmen, mit denen sich ein Einsatzverbot umgehen lasse.

In der Tierhaltung liegen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander, zumindest aus Sicht vieler Verbraucher, zeigen Umfragen. Gut 40 Prozent von ihnen wünschen sich bessere Standards in der Tierhaltung und einen schonenderen Umgang mit Ressourcen. Trotzdem sind nach wie vor viele Quälereien erlaubt, über deren Abschaffung in Deutschland schon länger diskutiert wird. Etwa die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung oder das Abschneiden von Ringelschwänzen. Letzteres ist eigentlich schon verboten, wird aber auf Grundlage von Ausnahmeregeln immer noch sehr häufig praktiziert.


Der Atlas als Pdf
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