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PROUD TO BE PUNK #29

PROUD TO BE PUNK #29
PROUD TO BE PUNK #29

PROUD TO BE PUNK #29
80 DIN-A-5-Seiten; €2,50.-
jan.sobe@t-online.de
Der sächsische Verfassungsschutz hat Punkbands als "linksextrem" eingestuft und ist zudem dabei, linke AkteurInnen und Strukturen zu diffamieren/einzuschüchtern.

Jan liefert einige Fallbeispiel und mutmaßt über mögliche Konsequenzen/Auswirkungen, die sich bis auf das Privatleben beziehen könnten.
Im weiteren Verlauf gibt es mit einem fünfteiligen Gedenkstättenfahrt-Bericht einen Schwerpunkt über nationalsozialistische Verbrechen in Litauen. Hier wurden schätzungsweise etwa 200.000 Menschen (drunter JudInnen, Sinti und Roma, sogenannte "Geisteskranke"...) in der so genannten „ersten Welle“ der Massenmorde im Spätsommer 1941, lange vor der Wannseekonferenz im Januar 1942, ermordet. An den Pogromen beteiligt war insbesondere das Einsatzkommando 3 unter Karl Jäger. Zudem beteiligten sich einheimische Kollaborateure und Zivilisten. Beispielhaft hierfür standen die Ereignisse vom 27. Juni 1941, als etwa 40 JudInnen im Hof der Liekutis-Garage in Kaunas auf bestialische Weise von Litauern zu Tode geprügelt wurden. Bekannt ist das Foto eines jungen Mannes mit groben Stiefeln, des „Totschlägers von Kaunas“ (Wette), der vor den Leichen mit einer Eisenstange posierte. Auch in Ponar gab es Massenerschießungen, ein weiterer Beleg für die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in den Dörfern, die Bildung der Ghettos in den größeren Städten, sowie deren Umwandlung in Konzentrationslager gegen Ende des Krieges. Die VeranstalterInnen der Gedenkstättenfahrt luden auch ZeitzeugInnen ein, Überlebende des  Holocausts oder UnterstützerInnen für den Erhalt der Gedenkstättenkultur, die in bewegenden Worten an die Gräueltaten erinnern, aber auch über den Alltag im KZ und den jüdischen Widerstand, über die sowjetischen Partisanen, den national-litauischen Widerstand erzählen. Die Spuren des Holocausts in Litauen führt die Reisegruppe zu den Schauplätzen der Vernichtung (Hinrichtungsstätte oder Museen auf KZ-Gelände). Die Gedenkstättenfahrt veranschaulicht die Ausbeutungspläne der Nationalsozialisten, basierend auf einer rassistischen und eliminatorischen Kriegszielpolitik, in der die einzelnen deutschen Akteure von Wehrmacht, Zivilverwaltung und Einsatzgruppen zusammen mit litauischen Kollaborateuren kooperierten, auch vor dem Hintergrund, den Judenmord als Selbstreinigungsaktion durch Einheimische zu propagieren, die ihrerseits einen starken Antijudaismus offenbarten, der bereits in den 1930er-Jahren Teil des litauischen Nationalismus gewesen ist und als Denkstil auch in größere Teile der Mittelschicht geprägt war.
Darüber hinaus interviewt Jan Bands, Personen und stellt Projekte vor, die mit einer antifaschistischen Attitüde/Inhalte eine widerständige Kultur bereichern, zum anderen als herausforderndes Mittel nutzen, um Ausgrenzmechanismen entgegenzuwirken.

Gesamteindruck:

Auffällig ist, dass Jan zu allen hier in seiner "Scheißhauslektüre" interviewten Projekten einen direkten Bezug hat und damit bestätigt, dass eine antifaschistische Haltung mit lokalen und regionalen Bündnissen linke Frei- und Kulturräume schafft, ermöglicht und fördert. Gerade in Gegenden, wo sich extrem rechte Denkstile normalisiert haben, die AfD politische Hoheit besitzen, sind Arbeiten wie vom agenda alternativ e. V. enorm wichtig, "um junge Menschen auf unterschiedliche Art und Weisen für Politik zu begeistern und sie zum Mitmachen zu animieren". Die Aspekte Punk, HC, Politik sind im P.t.b.P. schon länger keine bloße Orientierungshilfe mehr, sondern ähneln in der Ausarbeitung wie präventive Maßnahmen, sich gegen Rechts zu engagieren und die LeserInnen Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, umfangreiche facettenreiche linke Projekte mit Aktionen, Texten, Musik, Bildungsprogramme, Bücher etc. kennen zu lernen, die eine analytische, fachliche Auseinandersetzung dieser Bildungsarbeit im Zine verfügbar macht, das Interesse weckt und durch Jans Erfahrungen und Einschätzungen erlebbar macht.

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