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TRUST #195

TRUST #195
TRUST #195

TRUST #195
68 DIN-A-4 Seiten; €3,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf bekommt schlechte Laune, aufgrund des grassierenden Investorenkapitalismus in Bezug der Ticketverkauf-Agenturen, des Fanzinesterbens am Beispiel des MRR und aufgrund profitorinetierter Musik-Crowdfunding-Plattformen.

Jan Röhlk indes betreibt wieder akribisch Internetrecherche und will die Ursprünge von Songtiteln aufspüren und ist fassungslos, traurig ob vertaner Chancen für ein lustiges Wortspiel eines THOMAS ANDERS-Konzert-Plakates. Groschi serviert "Musikkrempel", Entdeckungen aus den bandcamp-Seiten, dessen Macher die Plattform DIY-mäßig und ohne großen Finanzspritzen bis heute groß gezogen haben.
Jan Röhlk interviewt Philipp Wolter (BONEHOUSE, VLADIMIR HARKONNEN) und macht ihm ein Kompliment mit einem Vergleich zwischen Bon Scott, Campino und Tobias Scheiße und rechtfertigt sich zugleich, um KritikerInnen das Wasser abzugraben. Im Chatroom tauschen beide dann Gedankenspiel aus und haben sichtlich Spaß am Aufarbeiten der Bandhistorien. Mika ist vor einiger Zeit durch Zufall auf GENJING RECORDS gestoßen, einige Recherchen später, was sonst so mit Punk in China geht, war er motiviert genug, ein Interview mit Nevin zu führen, der seine Labelphilosophie sowie und die Einzigartigkeit des chinesischen Punk erklärt.
Claude Müller hat mit GOUGE AWAY seit langem eine Band für sich entdeckt, "eine, die Euch umhaut, wenn ihr in der Abenddämmerung durch die Straßen zieht(...)Euch dazu bringt, zu schnell mit dem Fahrrad nach Hause zu rasen(...)". Für Christina war die Bandgründung so etwas wie ein Juckreiz bekämpfen und hat seitdem mehr "Creeps" im Postkasten. Bela interviewt Joey, Dom, Jess von SLUMB PARTY, eine Underground-Band, das ihr Album gut verkauft (hat), Hauptsache Spaß hat und nicht "die Köpfe und die Stimmungen der Menschen ach unten drücken" wollen. Hier hapert es eindeutig an einer guten Übersetzung, sodass diese ungewollt komische Sätze mit neuen sinnstiftenden Assoziationen hervorbringt.

Gesamteindruck:

Neben kritischen Artikeln und Gedanken zu Musikplattformen und Mechanismen der Ticketverkauf-Agenturen sind es erneut die von den Schreiberlingen subjektiv ausgewählten Bands, die sich keinem Trend anschließen, sondern rein dem eigenen Geschmack dienlich sind. Da wird Musik noch abgefeiert, weil mensch dahintersteht und der Nerdfaktor steigt mit der akribischen Recherche, wobei sich wieder einmal Jan Röhlk besonders hervortut. Im TRUST ist kritisches, reflektiertes Denken, DIY und Punk-Underground eine wichtige Basis für undogmatische Haltung und Musikstudien.

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