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Private Seenotrettung: Juli war tödlichster Monat

Zeichnung: Adrian Pourviseh / Sea-Watch.e.V.
Zeichnung: Adrian Pourviseh / Sea-Watch.e.V.

Während die Sea-Watch 3 seit inzwischen mehr als eineinhalb Monaten auf Sizilien festgehalten wird und die aktuelle Crew nicht mehr tun kann, als das Schiff auf die nächsten Rettungseinsätze vorzubereiten, haben sich im zentralen Mittelmeer einmal mehr tödliche Tragödien ereignet.

Nach Abgleich der Beobachtungen der Airborne Crews mit den Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geht Sea Watch davon aus, dass es im Juli vermutlich 30 Seenotfälle gab. Insgesamt befanden sich ungefähr 2.000 Menschen auf dem Wasser. Mehr als 750 wurden von der sogenannten Libyschen Küstenwache zurück in das Bürgerkriegsland verschleppt. Etwa 1.000 erreichten Europa. Mehr als 200 starben, die meisten von ihnen bei zwei großen Unglücken. Der Juli war somit der tödlichste Monat des Jahres – nicht zuletzt, weil europäische Militärs gar nicht mehr vor Ort sind und EU-Staaten NGO-Schiffe blockieren.
Kaum anders ging es in den ersten beiden August-Wochen weiter. Die IOM zählte mehr als 400 Ankünfte in Europa. Viele ließen aber ihr Leben. Besonderes Aufsehen erregte Mohammed Adam Oga, der mit 14 anderen aufbrach und nach einer elftägigen Odyssee als Einziger Malta erreichte.

Die Sea-Watch 3 liegt weiter im Hafen von Licata. Foto: Adrian Pourviseh / Sea-Watch.e.V.
Die Sea-Watch 3 liegt weiter im Hafen von Licata. Foto: Adrian Pourviseh / Sea-Watch.e.V.

Während Menschen auf der Flucht vor Krieg und menschenunwürdigen Lebensbedingungen vor den Küsten Europas ertrinken, verschärft Matteo Salvini seinen repressiven Kurs gegen die zivilen Retter*innen. Eine Überarbeitung des erst vor wenigen Wochen erlassenenen und nach Italiens Innenminister benannten Dekrets sieht jetzt unter anderem Geldstrafen in Höhe von bis zu einer Million – statt bisher 50.000 – Euro für das Einlaufen in italienische Häfen vor.
Italiens Regierung hat ein Gesetz erlassen, das NGO-Schiffe als Gefahr für den Frieden und die nationale Sicherheit darstellen möchte. Kurzum: die private Seenotrettung wird diskreditiert, sanktioniert und im wahrsten Sinne des Wortes: politisch torpediert.

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