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Sea-Watch 3 sitzt weiter fest

Die Sea-Watch 3 muss weiter in Licata bleiben. Foto: Chris Grodotzki / Sea-Watch.e.V.
Die Sea-Watch 3 muss weiter in Licata bleiben. Foto: Chris Grodotzki / Sea-Watch.e.V.

Der Kampf gegen die Festsetzung der Sea-Watch 3 geht weiter: Unmittelbar vor dem Verlassen des Hafens von Licata am Montagnachmittag erklärten die zuständigen Behörden das Schiff für weiterhin beschlagnahmt. Eine formelle oder gar juristisch plausible Erklärung gibt es nicht.

Hintergrund:

Seit mehr als 120 Tagen sitzt die Sea-Watch 3 inzwischen auf Sizilien fest. Vier lange Monate, in denen mindestens 350 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertranken und mehr als 4.400 Menschen von libyschen Milizen in das Bürgerkriegsland verschleppt wurden. Seit Kapitänin Carola Rackete Anfang Juni aus humanitären Gründen in italienische Hoheitsgewässer eindringen musste, galt das Schiff als strafrechtlich und verwaltungsrechtlich beschlagnahmt. Die Ermittlungen wurden bereits im September abgeschlossen, die Sea-Watch 3 war danach strafrechtlich frei. Der Antrag auf Aufhebung der administrativen Festsetzung wurde weder in der gesetzlich vorgeschriebenen 10-Tages-Frist noch in den beiden folgenden Wochen beantwortet. Es gibt demzufolge keinen juristischen Grund, dem Schiff das Auslaufen zu verweigern. Die de facto weiter bestehende Blockade ist unrechtmäßig, rein politisch motiviert und inakzeptabel.

Dass die Sea-Watch 3 in der Such- und Rettungszone dringend gebraucht wird, haben die letzten Tage überdeutlich gezeigt. Am Montag entdeckte die Crew des Moonbird-Flugzeugs das kleine graue Schlauchboot auf dem Bild unten. Mehrere Kontaktaufnahmen zu Handelsschiffen in unmittelbarer Nähe blieben erfolglos. Niemand zeigte sich bereit, eine Rettung der wenigen ausgezehrten Menschen auf dem Boot einzuleiten. Die sogenannte Libysche Küstenwache zog es vor, "auf Grund schlechten Wetters" im Hafen zu bleiben. Glücklicherweise konnte die Crew ihre Freund*innen von Proactiva Open Arms in die Suche einbinden. Nach fast 24 Stunden retteten sie zwei Frauen, sechs Männer, fünf Kinder und zwei Säuglinge von dem Schlauchboot.

Vor der Rettung: Ein Foto aus dem Cockpit der Moonbird. Foto: Julie Bourdin / Sea-Watch e.V.
Vor der Rettung: Ein Foto aus dem Cockpit der Moonbird. Foto: Julie Bourdin / Sea-Watch e.V.

Letztlich lief diese Rettung glücklicherweise deutlich weniger dramatisch ab als die Bergung von 90 Schiffbrüchigen durch die Alan Kurdi am Wochenende. Das Sea-Eye-Schiff – dessen aktuelle Mission Sea-Watch mit einer 60.000-Euro-Spende unterstützt – traf am Unglücksort unerwartet auf aggressive libysche Milizen. Sie bedrohten Crew und Schiffbrüchige. Mit automatischen Waffen gaben sie Schüsse ins Wasser ab. Zum Glück gelang es den Aktivist*innen, den Einsatz besonnen zu Ende zu führen. Allen Beteiligten geht es den Umständen entsprechend gut, die im vierten Monat schwangere Faith wurde von der italienischen Küstenwache evakuiert. Die 89 an Bord verbliebenen Menschen warten bis heute auf die Zuweisung eines sicheren Hafens!

Bewaffnete Milizen bedrohen Retter*innen und Zurettende. Foto: Karsten Jäger / Sea-Eye
Bewaffnete Milizen bedrohen Retter*innen und Zurettende. Foto: Karsten Jäger / Sea-Eye

Aktivist*innen mit erhobenen Händen, Migrant*innen, die um ihr Leben schwimmen und Angreifer mit Maschinengewehr: Video-Ausschnitte zeigen, wie die Crew der „Alan Kurdi“ bedroht wurde.

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