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OX #146

OX #146
OX #146

OX #146
148 DIN-A-4-Seiten; € 5,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Im V.A.-Punkpotpourri geht es u.a um Springerstiefel, die Joachim glorifiziert und allerhand Vorteile aufzählt. Ja, ich hatte natürlich auch welche (gebrauchte BW-Stiefel)und musste mich auch diskursiven Fragen stellen: Warum ich denn BW-Klamotten tragen würde, aber gegen Bundeswehr bin (remember Neurotic Arseholes: 'BW-Mörder').

Und diese klobigen Treter mussten selbstverständlich auch im Sommer getragen werden, am Baggersee und bei 40 Grad Celsius, inklusive Ketten (außen) und Sehweißfüße (innen). Hach ja (seufz), ich schweife ab! Ein paar Rezepte und OX-Utensilien später, ist Tom van Laak in der Murmeltier-Zeitschleife gefangen und berichtet aus dem "Tagebuch eines Gewinners" im Grunde über Wiederholungen aus seinem Alltag, der stets zu Black outs und aberwitzigen Aktionen bzw. zu einem Schwur und Vorhaben für einen bewussten Lebensstil endet.
Dennis (REFUSED) fühlt sich als Linker und hat das Gefühl, dass etwas Finsteres vor sich geht, weil 'wir uns auf dem Weg in eine bargeldlose Gesellschaft befinden'. Lucinda und Conor von CULTDREAMS sprechen über Ignoranz und Provokation von Menschen, die andere missgendern, über rassistische Traditionen in Belgien und über Conors Einsicht, mehr im Haushalt mitzuhelfen, obwohl es 'ernstere Dinge als das gibt, die angepackt werden müssen'.
Auch BOOZE&GLORY packen an und wissen, harte Arbeit zahlt sich aus.
Erneut wunderbar ist der von Daniel Schubert erarbeitete diskursive Schwerpunkt zu "Punk und Religion". Im 5. Teil geht es um das Judentum und einem Interview mit MOSHIACH OI!. wobei sich offenbart, dass es überhaupt nicht darum geht, Punkrock zu nutzen, um das Judentum zu modernisieren, sondern innerhalb der Religion Punk zu benutzen/missbrauchen, um die 'wahrhafte Verbindung zu Gott' zu propagieren.
Alex/Saskia von SCHROTTGRENZE findet es krass, "wie stark das Anderssein vor allem für die heteronormative Mehrheitsgesellschaft immer wieder aufs Neue konstruiert wird" und weiß, dass am Ende, wenn alles richtig Scheiße läuft, "nur die Insel oder der Untergrund bleibt".
HC-Helge macht Werbung für Power it Up und serviert im BELGIAN-HC-Special ein Interview mit Jan (AGATHOCLES) und Peter (CAPITAL SCUM), die eine Split-12" veröffentlicht haben. Gehaltvoller ist das Interview von Wolfram Hanke mit Russ Rankin von GOOD RIDDANCE, der als Hockey-Scout unterwegs ist und sich Gedanken zu Klimawandel, NRA-Lobbyisten und über den Einfluss der CPD, die die TV-Debatten der Kandidat*innen kontrolliert und den Wahlausgang mitbeeinflusst, weil andere Kandidat*innen nicht zugelassen sind, was Russ am Fallbeispiel und Umgang von und mit  DIE GRÜNEN-Präsidentschaftskandidatin Jill Stein erläutert.
Triebi Instabil greift in die Deutsch-Punk-Oldie-Kiste und spricht mit Archi Alert von INFERNO über die Bandbiographie und zeigt, dass er eigentlich mehr im Hier und Jetzt verortet ist, aber könnte auch mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen belegen wie emanzipatorisch Punk als Subkultur war und ist.
MARKY RAMONE rechnet mit Band-Kollegen ab und hat einen Rat an alle, die vom Alkohol loskommen wollen.
HC-Helge macht erneut auf eine Power it up-Veröffentlichung aufmerksam und führt begleitend hierzu ein Interview mit Tomasso, der bei ZSD und EVERYTHING FALLS APART Gitarre spielte und fürs TRUST mitschrieb. Der ausführliche Rückblick beantwortet Fragen auf: Was war, ist und bleibt, und dass Punk eine vorübergehende altersbedingte Station ist, die in seinem Fall dazu führte, nur noch Platten aufzulegen und Karriere zu machen.

Gesamteindruck:

Mit weiteren Interviews mit POSION IDEA und SUBHUMANS wird die Quote zu "Was alte (weiße) Punks erlebt haben..." gesteigert, wobei nicht vergessen werden darf, welchen subkulturellen Einfluss diese Bands hatten und immer noch haben, was im persönlichen Gespräch oftmals nicht klar wird. Es soll ja aber auch nicht um 'Held*innen'-Verehrung gehen, aber was im Gedächtnis haften bleibt, ist die Distanz und die Ernüchterung, dass Punk etwas Banales, aber furchtbar neurotisch ist.
Joachims Interview mit Pia Lamberty, M. Sc., über Verschwörungstheorien ist ausbaufähig und könnte zu einem Special ausgebaut werden, um weitere Referenzen und Belege zu Punkbands zu dokumentieren. 
Punk ist kein Grundkonsens für Rebellion und Revolution. Punk umweht der Hauch von Pathos und ist vielfach auf die Vergangenheit gerichtet. Dass hieraus etwas Neues erschaffen oder der kreative Prozess evaluiert werden kann, zeigen Interviews mit REFUSED, SUBHUMANS, GOOD RIDDANCE. Der Rest ist Massenware, Selbstbeweihräucherung (in den Produkten der eigenen Arbeit Wertschätzung finden), ohne inspirierende Gedanken, Verhältnisse zu sezieren, aufzuspießen, Widersprüche zu polieren. Und gerade diese ließen sich doch zu 'Punk und Religion' zuhauf finden.


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