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OX #150

OX #150
OX #150

OX #150
164 DIN-A-4-Seiten; € 5,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
In COVID-19-Krisenzeiten wird Joachim gierig und kann nicht davon genug bekommen, dass potenzielle Neu-Leser*innen ein Abo schalten. Kleckern und klotzen als Bollwerk gegen wirtschaftliche Folgen während der Krise.

Klar, dass das Thema Covid-19 auch in den Kolumnen thematisiert wird, doch bevor es zu ernst wird, gibt es genügend Inhalte, um sich vom Thema mal abzulenken und in die Gedankenwelten anderer zu flüchten oder in Nostalgie zu schwelgen. Altes neu (wieder)entdecken heißt die Devise. Chucks und Lieblingsplatten, die "rauschhafte Emotionen" auslösen und Erinnerungen freilegen. Nur bei Tom van Laak bleibt alles wie es immer schon war. Vielleicht hat Tom die COVID-19-Pandemie auch nur verschlafen oder ist aufgrund der Tatsache, dass der Konsum von Portwein und Kräuterzigarette etwas Meditatives hat, mehr mit sich selbst und den physischen wie psychischen Folgen beschäftigt. Sein Leidens- und Gesinnungsgenosse Alex Gräbeldinger hat ganz ähnliche Dämonen zu bewältigen. Neurosen und Psychosen sind offenbar das Resultat starker Konflikte. Gut, dass es Vorbilder und Bezugspersonen gibt, das Unbehagen abzuschwächen. Brian Baker bspw. hat 1980 noch bei Mami gewohnt und das Über-Ich hätte etwas dagegen gehabt, hätte Brian in den "wild in the streets"-Modus geschaltet.
Workaholics benötigen vor allem: mehr Zeit und alte (männlich-weiße) Helden mehr Anerkennung für ihr Ego. Und Anerkennung ist personenabhängig. Joachim lässt auch keine Gelegenheit aus, das Ox und die Wertigkeit des Ox für die "Szene" zu loben, was bei mir immer Ablehnung hervorruft. Ganz andere Sorgen hat(te) Stacey von BAD COP/BAD COP, die aufgrund gesundheitlicher Probleme (Alkohol-, Drogensucht/Krebs) "durch die Hölle gegangen" ist, Suizidgedanken/Halluzinationen hatte. Musik ist da wie eine Therapie. Das war nicht immer so. Gerade im frühen Deutschpunktsektor bedeutete Musikmachen allenfalls, das besoffene Publikum zu unterhalten oder sich mit dem Publikum oder den Bullen zu prügeln wie Hugo von TIN CAN ARMY berichtet. Menschliches Verhalten wird in Alltagssituationen sehr häufig unsystematisch intermittierend verstärkt. Vielleicht auch ein Grund, dass Menschen im Christengewand unterwegs sind, Punk missbrauchen/instrumentalisieren, um Religion(slehren) als Imitationskonstrukt zu propagieren. Jesus Christ Hardcore als alternativ angehauchte Ideologie, die doch kleinkarierte, tradierte und konditionierte Reaktionen emporbringen. Zwischen Tin Can Army und The Army of God liegen Welten, die nicht nur Kontroversen  sondern auch Entsetzen auslösen. Auch bei Thomas Ziegler (MÜLLEIMER RECORDS) fehlte der Glaube und die Konsequenz, ein harter Geschäftsmann zu sein. Mit Luft und Liebe kommt punk eben nicht weit. Ein Grund, warum sich TERRORGRUPPE erneut auflösen? Nein, aber das Image und Konzept der Provokation hat seine Grenze spätestens dann überschritten, wenn sie akzeptiert ist. Davon ist Matthias Egersdörfer noch entfernt und zelebriert den rebellischen Knurrhahn (der aber auch immer so wirkt wie ein Rentner, der am Fenster steht und sich über Gott und die Welt beklagt).

Gesamteindruck:

Die aktuelle OX beherbergt ungewöhnlich viele kontroverse Inhalte und Aussagen. Das erscheint zunächst paradOX, steht das OX doch ansonsten eher für Infotainment und Kuschelkurs. Aber in Krisenzeiten bewirken Autobiografien und Erinnerungsarbeit wie eine schonungslose Darstellung und Analyse, den kritischen Dialog (Punk und Religion, Punk-Dogmen und Moral) in die Perspektive des eigenen Denkens zu integrieren, um auf die Ebene des Diskurs zu wechseln. Diese Methodik ist ganz nach meinem Geschmack.


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