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OX #152

OX #152
OX #152

OX #152
164 DIN-A-4-Seiten; € 6,50.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Aufgehoben oder aufgeschoben? In Covid-19-Zeiten warten Bands und Labels mit ihren neuesten Veröffentlichungen und andere fangen wieder an Toilettenpapier zu horten. Auch Tom van Laak dreht sich in der neurotischen/psychotischen Spirale und begegnet seinen Ängsten mit der bekannten Selbsttherapie: Portwein und Kräuterzigarette.

Doch nun kommt auch noch Ouzo hinzu, aber nur um runterzukommen. Und wo er eine Erkältung ausbrütet hilft „Stranger Things“ auf Netflix und etwas Grog. Bob Mould steht auch auf Blau, sein neues Album ist draußen und Joachim unterhält sich sehr ausgiebig über Katastrophen, Trump und den Antrieb hieraus, nicht länger still sitzen zu können, was die Wut in den neuen Songs erklärt. Später gibt es mit Jello Biafra ebenfalls ein sehr ausführliches Interview. Jello hat viel zu erzählen, er ist politisch sehr aktiv/interessiert und ist entschiedener Trump-Gegner. Hooligans gegen Satzbau? Hahahaha, heißer Scheiß, das war interessant zu lesen. Am Ende aber geht es auch nur um Kohle, freuen sich aber auch mal über eine Postkarte oder einen Gameboy.
MADSEN machen auf einmal richtig Punk ähnlich wie Die ÄRZTE mit ihrer Bullenstaat-Platte nur ohne Coversongs, dafür mit viel Einflüssen aus ihrer Deutsch-Punk-Sozialisation à la Toxoplasma, Razzia, Slime, Boskops, Daily Terror. Triebi Instabil nimmt sich wieder Deutsch-Punk-Klassiker vor und interviewt dieses Mal NOTDURFT, ÖSTRO 430 und später auch noch BLITZKRIEG. Die Fragen sind zwar nach ewig gleichem Muster gestellt, aber es macht einfach Spaß, die Vergangenheit ins Gedächtnis zu holen und an die geile Zeit zu erinnern, wo Punk noch gefährlich war und es auf der Straße knallte, wo Idealismus und Ideale noch einhergingen mit Billigbier, Krawall und Provokation. Lurker Grand skizziert Hollow Skais Werdegang zum Punk und debattiert über Schweizer und Hannoveraner Punk(bands) und arbeitet die Stationen von Pop Rivets, ROTZKOTZ und THE NAMES auf.

Gesamteindruck:

Die aktuelle Ausgabe ist prall gefüllt mit Musikinterviews, die zum größten Teil lebensgeschichtliche Ereignisse widerspiegelt. Emotionale im Erfahrungsgedächtnis gespeicherte Inhalte abrufbar machen ist Teil der biografischen Interviews, die ein Erspüren dieser Lebensereignisse ermöglicht. Das bedeutsame zurückliegende Lebensereignisse mit dem Wirklichkeitserleben im „Hier und Jetzt“ verknüpft werden, belegen die Interviews mit Jello Biafra und Bob Mould. Die von Lurker Grand und Triebi Instabil geführten Intis sind zeitgeschichtliche Aufarbeitungen und Reflexionen eines Lebensabschnitts, die spannend und abenteuerlich sind. Auch in dieser Situation entwickelt sich meist ein lebhaftes und ergiebiges Gespräch zu biografischen Aspekten eines Anliegens oder eines Themas, das natürlich eng verknüpft ist mit Punk(geschichte) und offenbart, was diese Ereignisse bei den jeweiligen Protagonisten heute bedeuten, bewirken, bewegen, andererseits ist es aber nur ein Ausschnitt aus einem Ganzen, eine Fokussierung. Des Weiteren gibt es dieses Mal endlich wieder mehr Interviews mit und über Frauen*, sonst hätte ich mir ernsthaft Sorgen über die Selbstwahrnehmung der „Szene“ gemacht.

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