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V.A. – Wir müssen hier raus

V.A. – Wir müssen hier raus
V.A. – Wir müssen hier raus

V.A.

Wir müssen hier raus LP/CD
Unter Schafen Records/Al!ve
TSS eröffnen mit "Wir müssen hier raus" den Soundtrack zu einstigen Revolte, ein Solidaritätsbeitrag für die Arbeiterklasse, für Hausbesetzer*innen, Anarchos, und Spontis und steht für ein Kreuzberger Lebensgefühl der frühen Siebzigerjahre. Wenn DIE STERNE dann "Wenn die Nacht am tiefsten" singen und spielen, klingt das wie Chers "Believe", künstlich und wie vom anderen Stern, befremdlich (und weniger authentisch, um dieses Lebensgefühl und die Botschaften stilecht zu transportieren.

BOSSE überrascht hingegen mit einer Lo-Fi-Garagen-Nummer und einem sehr gelungenen Cover ("Warum geht es mir so dreckig") , der auch den Sound der 70er Jahre einfängt. Schön krawallig und doch mit einer eigenen Note, was FEHLFARBEN mit "Nicht nochmal" ebenfalls großartig umzusetzen wissen. Natürlich ist SLIME mit ihrer "Ich will nicht werden"-Version der "Alle gegen alle"-Platte dabei. Und was wären Slime ohne TSS?
Ganz schlimm sind WIR SIND HELDENs "Halt dich an deiner Liebe fest"-Interpretation, aber es sind eben auch die späten RIO REISER-Songs, die einfach nur von und mit ihm aufgrund der charakteristischen und charismatischen Ausstrahlung funktionieren. Auch Patrick Richards Version von "Der Traum ist aus" ist seelenlos, und ich bin froh, dass Rio himself mit einem wunderbaren "DER KRIEG..." mit Piano und seiner Stimme dem Spuk ein Ende bereitet. Rio ist zwar tot, aber der König von Deutschland lebt. Wem Rio noch annähernd am nächsten kommt, ist Blixa Bargeld. Schade, dass von im kein Beitrag zu hören ist. Bleibt also die Frage nach dem Sinn dieser Zusammenstellung. Eine Hommage für, an und auf RIO und TSS. Da geht jegliche Radikalität und politische Brisanz flöten, aber je nachdem, welchen Song du favorisierst, welche Künstler*in du wählst, hängt davon ab, was genau sie zum Ausdruck bringen wollen. Und da sind es wohl mehr persönliche Erinnerungen und Inspirationen, als eine nostalgisch-packende Inszenierung.

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