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OX #156

OX #156
OX #156

OX #156
164 DIN-A-4-Seiten; € 6,50.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
"Alles wird wieder okay!" wissen die BROILERS. Das kann mensch von Tom van Laak eigentlich nicht behaupten, gleichwohl er sich von Tagebucheintrag zu Tagebucheintrag hangelt, stets mit der Befürchtung, ernsthaft krank zu sein, eine schlimme Krankheit zu bekommen und frönt dem harten Alkohol wie die Nacktschnecken die Blätter.

RISE AGAINST schwimmen gegen den Strom und machen mehr denn je massenkompatible Protestsongs für die ganze Familie im Stadion, während Tim in die Comicwelt eintaucht. Triebi Instabil kramt wieder alte Punkbands aus der 80er Jahre Deutschpunk-Ära hervor (DIRECTIVE JCS 1067, BRUTAL VERSCHIMMELT), stellt dabei immer die selben Fragen mit einigen band-bezogenen Anmerkungen und trotzdem sind es für mich oft Anreize, speziell erwähnte Bands bzw. deren Platten aufzulegen. Damit die Frauen*quote im OX stimmt, kommentiert Isabel Ferreira de Castro die vom Deutschen Musikrat, dem Deutschen Musikinformationszentrum in Koop mit dem Institut für Demoskopie vorgestellte Daten ihrer Umfrage zu Amateurmusizierende, die als Grundlage dienen, um daraus Rückschlüsse und Vermutungen anzustellen. Daran schließen zwei Interviews an, in denen über die Frauenquote im Punk sowie Frauen* motiviert werden sollen, mehr Instrumente zu erlernen und zu spielen. Lizal von DIE DORKS greift diese Themen nochmals im Interview auf und macht klar, dass sie auf Konfrontationskurs geht, sobald sie sexistische Äußerungen wahrnimmt.
Lurker Grand skizziert die österreichische Punk-Szene der 80er Jahre mit dem Fokus auf die Punkband CHAOS aus Feldkirch. Chaos formierten sich Ende 1977 und standen bereits im Februar 1978 erstmals auf der Bühne. Kurze Zeit später folgten viel beachtete Auftritte in Zürich und St. Gallen, bei denen die Band mit mehrstimmigen Chören, hohem Spieltempo und einer energetischen Performance schnell zu Größen der vitalen Schweizer Punk-Szene aufstieg. Gleichzeitig blieb die Gruppe in Österreich weitgehend unbekannt. In den frühen 1980er-Jahren trennten sich die Wege der Bandmitglieder wieder. Im Interview erzählt Thomas Kessler alias Chy, seine Sicht der Dinge und Lurker Grand hakt nach, was tiefschürfende Erkenntnisse zur Geschichte liefert. Das Telefon-Gespräch mit Slaughter von CHAOS indes ist aufgrund der knappen Antworten uninteressant, überflüssig und weit weniger als ein netter Plausch.

Gesamteindruck:

Es gibt sehr viele Lese-Highlights und Schwerpunkte, die aus der quantitativen Ansammlung von Intis, der eigentlich nur ein Update des Schaffens sind, herausstechen. Und hier zeigt sich eindeutig, dass "Punk von Gestern" immer noch die besten Geschichten erzählt. Politisch-ästhetisch, kreativ, DIY und Rückkopplung von Fortschritt, Regression und Stillstand im selben Augenblick. Schön, dass die Leser*innen dabei sein dürfen, wenn sie so spannend aufbereitet wird wie von Lurker Grand. Aber auch das Guntrams Gespräch mit Ian Gasper zeigt die Leidenschaft und Nerdigkeit, die sich durch eine Punk/HC -Injektion ergibt und ein Leben lang bestehen bleibt, selbst wenn mensch keine Subkultur mehr auf den Straßen erlebt und sieht.

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