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V-Mann

V-Mann
V-Mann

V-Mann
Steve Braun
600 Seiten (Fotoband&Text); € 35.-
ISBN: 978-3-948675-96-7
https://www.hirnkost.de/
Inhalt: Obwohl er sich perfekt in die Gruppe einfügte, auf Konzerten wild pogte, zu viel soff und am nächsten Morgen auf fremden Couchen aufwachte, hielten die Nürnberger Punx Steve Braun zunächst für einen V-Mann. Doch tatsächlich wollte der neue Typ mit der Kamera in der Hand Bilder machen, Individuen in all ihren Facetten festhalten, den Lifestyle dieser Szene für einen besonderen Bildband einfangen.


 Über viereinhalb Jahre war der Bildhauer und Fotograf Teil dieser Subkultur. Dabei fassen APPD-Mitglieder wie der Asoziale Landesvater Bayerns, Nille Hangoverson, diese Clique in Worte.

Gesamteindruck:

In Nürnberg tobt der unbekannte Affe. Jugendrente mit 30 und Pogo Prost! Mit Parolen und selbst aufgenähten Patches, Pickel und Popel, Piercings und Pogo Pudel und Lust am Perversen sind die Nürnberger Punx unterwegs im AZ, Freibad, am Bahnhofsvorplatz, in der Bahn und in der Walachei. Steve – eigentlich Black Metaller – als vermeintlicher V-Mann mittendrin. Dabei taucht er ein in eine bunte Welt, die jenseits des Konservatismus und Spießertum auch eine Dosis Klischee enthält. Eine klischeehafte Vorstellung, die jedes Vorurteil von und über Punx bestätigt. Die abgebildeten Punkers entstammen offenbar einer spezifischen Clique, die  Anti Role Models sind Objekt mehrerer Aufnahmen, die wiederum auch mal je nach Steves physischer Verfassung verwackelt sind. Es gibt Fotos von Personen mit roten Augen, aber stets entsteht der Eindruck, dass die Fotos nicht gestellt sind, sondern der Auslöser gedrückt wurde, um die dargestellten Punks in „ungeschönter Ehrlichkeit“ (Nille Hangoverson) zu zeigen wie und wer sie wirklich sind: asozial und Spaß dabei! Irgendwie sind immer Chaostage. Und fast immer mit dabei: eine Flasche Bier. Punx im LIDL-Marktstall, im Krankenhaus, auf dem Klo pennend, viel nackte Tatsachen und Pimmelbilder. Very shocking! Beim ständigen Bestaunen und Umblättern, kann ich den Soundtrack von KNOCHENFABRIK oder EISENPIMMEL förmlich hören, zu dem sich Hundegebell und fränkisches Kauderwelsch gesellt. Der Geruch von Pisse, Kot, Bier und Koks steigt in die Nase...und ich bin mittendrin. Nur Gertold Grecht wird sentimental und wünscht sich die alten Abenteuer zurück. Mir gefallen die Schwarz-Weiß-Bilder und Gruppenporträts am besten.  Ansonsten keimt die Frage auf, für wen – außer für Fridi, Klotz und Hollo – dieser Fotoband denn interessant sein dürfte. Für alle, außer die Normalos vielleicht. Obwohl auch ein*e BWL-Student*in einen Blick riskieren könnte, um mal zu sehen, wie sie denn so sind, die gefährlichen asozialen Subjekte, um ihnen bei der nächsten Begegnung im Park oder vor dem ALDI-Markt ein paar Münzen hinzuwerfen oder gleich mit ihnen zusammen „Pogo Prost!“ zuzurufen. Ich bin dabei!


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Kommentare: 1
  • #1

    Gertold Grecht (Mittwoch, 15 September 2021 13:13)

    Würde es eher als resignierent beschreiben. Da man entweder so weitermacht und irgendwann draufgeht oder den anderen Weg geht. Wenn man auch noch jemanden wie in meinen Fall mein Sohn in das Leben tritt.
    Die alten Abenteuer währen schon Klasse durchzehhte Nächte, Kneipenschlägereien Widerstand gegen Faschistoide Individuen. Aber direkt zurück wünschen tu ich sie nicht Mal einmal wieder das Gefühl haben ja das will ich.

    Das Buch ist top und ein fundamental wichtiger Baustein in der Deutschpunk Szene noch nie gab es in diesen Land so ein ungeschöntes Bild von Punk wie hier in diesen Buch. Punk wie er leibt und lebt. In seiner ganzen Zauber und auch seiner Hässlichkeit.
    Also holt es euch bevor es ausverkauft ist und nur noch alle heiligen drei Zeiten zu kriegen ist.

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