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TISCHLEREI LISCHITZKI - Wir ahnen Böses

TISCHLEREI LISCHITZKI - Wir ahnen Böses
TISCHLEREI LISCHITZKI - Wir ahnen Böses

TISCHLEREI LISCHITZKI

Wir ahnen Böses LP
Elfenart Records
20 Jahre Tischlerei Lischitzki. Andreas, Micha, Chris und Ralf haben viel Zeit und Energie aufgebracht und aufgebraucht, diese Platte zu etwas Bemerkenswerten zu machen. Im Zeichen von "antifaschistische Aktion" und dem Kampf gegen Rechts und Rassismus erinnern sie an die Gräueltaten des Dritten Reiches, erinnern an persönliche Schicksale und Familiengeschichten, die von Angehörigen erzählen, die der Willkür und einem autoritären Regime im "Zuchthaus", in Heil- und Pflegeanstalten ausgeliefert waren.

Zeugnisse hiervon sind die abgedruckten Abschriften und Akteneinträge betroffener Personen, die das Cover zieren und der LP als Collage mit Textinhalten in Posterform beiliegen. Gewidmet ist die Platte Esther Bejanaro, eine Überlebende des KZ Auschwitz und Ravensbrück, die im Juli d. Jahres verstorben ist. Bejarano engagierte sich Jahrzehnte lang gegen Rechts und Fremdenfeindlichkeit. Sie sang zusammen mit ihrem Sohn Joram und ihrer Tochter Edna jüdische und antifaschistische Lieder, tourten mit der Kölner Hip-Hop-Band Microphone Mafia durch Deutschland. angelehnt an den Plattentitel lässt sich erahnen, was Bejanaro immer wider beklagte. Je mehr Zeit vergeht und je weniger Zeitzeug*innen leben, je mehr der Holocaust verharmlost und vergessen wird, je mehr die extreme Rechte, aber auch die Mitte der Gesellschaft rechte Ideen offen und versteckt zeigt, sollten Esthers Worte eine Mahnung sein:  "Ich weiß nicht, was werden soll, wenn es noch mehr werden, die so eine menschenverachtende Ideologie haben. Ich weiß nur, was ich gesehen habe. Und ich weiß, was dann kommen wird."
Tischlerei Lischitzki haben ihre eigene Erfahrungen gemacht. Konzertveranstalter*inne, die offensichtlich kein Problem haben, dass extrem rechte Bands ihre Inhalte verbieten dürfen, es also immer wichtig ist, nach einer Einladung zu fragen, wer denn noch so spielt, bevor es eine Zusage gibt. Aber mensch muss sich nur mal umschauen in diesem Land, in dieser Gesellschaft, die in Krisen wie Corona jedwede Menschlichkeit vergessen lässt, Hetzte und Hass gegen alles, was fremd ist und den eigenen Status gefährdet, inflationär zunimmt und immer offener zum Ausdruck kommt, dass mittlerweile wieder Menschen sterben. Nicht nur auf offenem Meer, sondern auf offener Straße. Tischlerei Lischitzki geben Menschen ihre Würde zurück, die mit "scheiß Nummern" tätowiert hingerichtet wurden und fordern; Kein Vergeben, kein Vergessen!
Die Musik hierzu verstärkt die beklemmende Atmosphäre, ist aber unglaublich wutschnaubend. Mal Hau drauf, verstimmt und dissonant, verspielt und bedrohlich. Viel Jugendliche zucken heure ihre Achseln und meinen: "Was geht mich das noch an?" Tischlerei Lischitzki antworten: "Ihr tragt alles Schuld, für das, was war!" Rassismus ist kein historisch beschränktes Phänomen, sondern allgegenwärtig. Überall auf der Welt. Was hilft ist keine Betroffenheit, keine symbolische Aktion, sondern Reflektieren, Aufarbeiten, Informieren und Konsequenzen ziehen. Das Problem heißt Rassismus! Nazis raus wäre zu plakativ. Dann bitte doch so wie TISCHLEREI LISCHITZKI, die Archive gewälzt haben und Einzelschicksale sichtbar machen und gleichzeitig auch um Fremdenfeind­lichkeit und  Rassismus entgegenzuwirken. Das ist unser aller lebenslange Aufgabe und Pflicht. Denn es geht uns alle an. Musikalisch höre ich desöfteren Rajas Thiele und RAZZIA-Momente raus.Treibend, druckvoll, nachdenklich-reflektiert und explosiv. Ein wichtiges Album mit zeitlos guter Mucke und Inhalte, die nicht spurlos an eine*n vorbeigehen. Die Platte endet mit einem stimmungsvollen Outro, bis jede*e aus der Ohnmacht erwacht und aktiv werden möchte.

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