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Anarchitex – Digital dark age

Anarchitex – Digital dark age
Anarchitex – Digital dark age

Anarchitex

Digital dark age LP
Mad Butcher
 Ursprünglich war die Band aus Houston, Texas, von 1983 bis 1987 aktiv. 2007 fanden sich Anarchitex für die sogenannte "Axiom 20th Anniversary Reunion Show" wieder und blieben zusammen, um 2011 ein neues Album aufzunehmen.

Ein Teil ihrer experimentellen Kreativität entspringt der vielseitigen Geschichte von Anarchitex. Die Bandmitglieder waren an unterschiedlichen Projekten beteiligt, darunter Naked Amerika, Really Red, The Pain Teens und Happy Fingers Institute. Die Kreativität der frühen Houstoner Szene hatte einen tiefgreifenden Einfluss.  Der Witz von Anarchitex ist grenzenlos und wird durch Davis' Dada-Stil verstärkt, der sich in Wortspielereien auflädt.
"Button on a Lapel" ist eine Art Anti-Nostalgie ("I'm too old to skateboard / I'm too old to care"), die durch urbane Haiku aus der Sicht eines Busfahrers, der von blauhaarigen Frauen und alten Männern mit Vaseline-Augen umgeben ist, nivelliert wird. Derweil fühlt sich der schwirrende, dunkle Donner von "Blank Wall" an wie eine Mischung aus Midwest-Noise-Bands wie Tar, dem Post-Hardcore von Monorchid und Circus Lupus. Der Song prangert Religion, Märtyrertum, Krieg und eine Zukunft an, die durch "99 Prozent der Menschen, die kaum mehr tun, als Platz einzunehmen", ermöglicht wird. "CaCa Convention" ist eine prägnante Tirade gegen politische Machenschaften und den Kapitalismus, während die Midnight Oil-Rhythmen und die lyrischen Gefühle "Brother Can You Spare a Dime?" durchdringen. "Big Grey Boat" beschreibt die Invasionen in Grenada, Nicaragua und im Libanon. In solchen Berichten sind Laissez-faire-Kapitalismus und Kriegsmaschinerie ungebremst. Die Geschichte wird zu einer Ausstellung von Gräueltaten. Doch die Band legt ihren Humor offen, selbst  wenn sie sich mit schweren Themen beschäftigt. "I Had a Science Fiction Childhood" ist so comichaft wie ein früher Ramones-Song: Mutanten, Elektroden und B-Monsterfilme drängen sich auf. Es enthüllt die paranoide Seite des Bubblegum-Punks, auch wenn der popkulturelle Schrott durch die stotternde Tour de Force gebrochen, fragmentiert und zerhackt wird. The Anarchitex frönen nicht dem Rock'n'Roll-Einheitsbrei, bieten keinen Redux-Sound von 1982 oder schmieden einen einfachen radikal-politischen Plan, sondern reproduzieren einen experimentelle Melodie mit Groove und Funk-Elemente, in der Paroxysmus und Prosa Hand in Hand gehen. Wut ist dabei Motor für eine unerschöpfliche Energiequelle, Musik der Schlagstock gegen ungerechte Verhältnisse auf der Welt. Mir gefällt der dystopische, eigenwillige Sound zwischen DEVO und Dead Kennedys, weil er zeitlos und vielschichtig ist.


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