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Der letzte Punk

Der letzte Punk
Der letzte Punk

Der letzte Punk
v. Abo Alsleben
DIY 04277 Books, Leipzig 2022, 396 Seiten; €12
www.aboalsleben.de
    Über den Autoren: Abo Alsleben  ist ein selbsternannter Hedonist aus Leipzig-Connewitz. Alsleben ist musikalisch aktiv in der Punkrock-Band S.U.F.F. Von ihm erschienen u.a. die Bücher: „Tschüss Deutschland“, „Ahoi Connewitz“ und „Punkrock Hooliganz“ – die drei Romane sind eine Hommage an den Leipziger Stadtteil Connewitz und seine alternativen Bewohner*innen. 2020 erschien sein Buch „Mayhem live in Leipzig – Wie ich den Black Metal nach Ostdeutschland brachte“ im Bookra-Verlag.

Über das Buch:

Dieter »Otze« Ehrlich war Sänger der legendären Punkband SCHLEIMKEIM, die er 1980 zusammen mit seinem Bruder Klaus in Stotternheim bei Erfurt gegründet hatte. Es kam zu wenigen, aber legendären Auftritten, begleitet von Skandalen und Gefängnisaufenthalten. Nachdem Otze 1998 seinen Vater mit einer Axt erschlagen hatte, wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo er 2005 unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Anne und Franks Buch ist aber auch zum anderen die Charakterstudie eines Menschen, der innerlich zerrissen und unangepasst war. Des Weiteren war und ist ihr Buch auch der Anlass für Abo Alsleben, Otzes spannende und extrem verstörende Lebensgeschichte mit eigenen offenen Fragen zu klären: Wie konnte das alles passieren? Wie könnte sein Leben gelaufen sein? Wie war das mit der Band, mit der Forensik, den staatlichen Repressionen? Diese Fragen waren die Grundlage für Abo Alslebens Roman, eine reale und fiktive Geschichte zu verknüpfen. Internetrecherchen zur Person und zur (Anti)Psychiatrie runden sein Roman ab. Damit keine Zweifel aufkommen: Abo Alsleben kannte Otze nicht, die Musik war nicht die seine. Der Roman ist keine Biografie. Es ist sein Versuch, Otzes interessante Lebensgeschichte in Form eines Romans niederzuschreiben.

Gesamteindruck:

Um Lügen-Vorwürfe vorzubeugen, benutzt Abo Alsleben andere, aber ähnlich klingende Namen. Aus Dieter ‚Otze‘ Ehrlich wird Dietrich „Öse“ Aufrecht, aus SCHLEIM-KEIM wird SCHMEISS-KEIM. Was gleich bleibt, sind die bekannten Fakten Otzes Stationen vom Punk zum Staatsfeind und zum eigenen Feind in einem System, in dem für Otze kein Platz zu sein schien. Abo Alslebens Protagonist ist Einzelgänger und Zappelphilipp, der – getrieben vom Freiheitsdrang und einem rebellischen Geist – sich in einer widerständigen Gegenkultur wohler fühlt, als  in einem ungeliebten Beruf und einer sinnlosen Arbeit. Auf der einen Seite wird im Roman deutlich, wie der Staat auch das Private regelte und überwachte, weil das DDR-Regime Anpassung, Einordnung, Normerfüllung und ordentliches Auftreten verlangte und ein Anders Sein (Kleidung, Auftreten und Musik) drangsalierte und sanktionierte. Auf der anderen Seite beschreibt Abo Alsleben auch die Widerständigkeit und Nischen, die Punks und Andersdenkende suchten und fanden. Im letzten Kapitel geht es Abo Alsleben offenbar auch um eine deutliche Kritik am System Psychiatrie. Gefangen und ausgeliefert in einem System, das den Protagonisten der Geschichte zugrunde richtet. „Der letzte Punk“ ist eine fesselnde und in einer von Selbstzerstörung und Ausgeliefertsein geprägten Lebensgeschichte, die in einer einfachen, mitunter klischeehaften Sprache auch an das Scheitern erinnert, an das Kaputt machen und Kaputt sein zwischen DDR von unten und über den menschlichen Abgrund hinaus.

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