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Geier Sturzflug - In Der Großen Tradition Der Kleinen Haushaltswaren

Geier Sturzflug - In Der Großen Tradition Der Kleinen Haushaltswaren
Geier Sturzflug - In Der Großen Tradition Der Kleinen Haushaltswaren

Geier Sturzflug

In Der Großen Tradition Der Kleinen Haushaltswaren LP
Mad Butcher Records
Geier Sturzflug und die Last mit dem Bruttosozialprodukt. Damals im Halbplayback 1983 in der ZDF-Hitparade auf der Nummer 1, sorgte der Refrain mit Lockerheit und Fröhlichkeit und ironischer Anspielung  auf ehrgeiziges Wachstum bis zur Erschöpfung. Der 1982 veröffentlichte Song stammte ursprünglich aus dem Jahr 1977 und bescherte der Band ihren größten und bekanntesten Hit.

Wer denkt nicht heute, wenn mensch in die Hände spuckt, eben auch an dieses Lied?! Tja, doch der sogenannte NDW war irgendwann doch nur ein kurzlebiges industriell ausgereizter Verkaufsschlager. Durch die inflationäre Veröffentlichungspolitik der Plattenfirmen und die massive Medienpräsenz des Genres war das Publikum bald übersättigt. Das bekamen auch GEIER STURZFLUG zu spüren. 1986 löste sich die Band auf.
Sänger Friedel Geratsch war 2021 im Urlaub, als ihm die Idee kam, ein „Geier“ Ska- und Reggae-Album zu machen. Bei der Idee, sich auf die alte Liebe zu besinnen, fanden er und seine Mitstreiter Carlo von Steinfurt und Reiner  Hundsdoerfer die Unterstützung von Karsten Riedel. Karsten ist erfolgreicher Theatermusiker und -komponist, verfiel schon in frühester Jugend dem Reggae und Ska. In nur 2 Monaten wurden alle Songs auf diesem Album komponiert, neu arrangiert und aufgenommen. Bis auf 2 neue Songs stammen die übrigen 11 aus den Anfangstagen von Geier Sturzflug und thematisieren die Legalisierung von Cannabis („Kiffen kurbelt die Wirtschaft an“), den Klimawandel („Fünf vor Zwölf“) oder Absolvent*innen der YouTube-Akademie („Doofmannsgehilfen“). Ironisch, bissig und zynisch, weil die "Menschheit nicht klüger (wird), weil es Fernsehen gibt!". Interessant in der Umsetzung ist sicherlich auch die Benutzung einer Cigar-Box-Gitarre (Delta-Blues-Gitarre), die eng mit dem Blues verbunden ist. "Lockdown" ist so was von Memphis-Blues und Jamaica-Roots-Ska, wie er besser und authentischer nicht sein könnte. Klasse eingespielt, sehr simpel, aber auch sehr eingängig!
Mit Zeilen wie "Heute kiffen wir fürs Bruttoinlandsprodukt" gibt es dann noch einen kleinen Seitenhieb, der zu verschmerzen ist. Es gibt einen Haufen Songs, die das gängige Reggae-Muster verlassen und in typischer Geier Sturzflug-Rock-Manier ertönen ("Zum Rollen gebor'n"), Deutsch Rock mit Memphis Blues vermischt. "Der letzte Zug" hat sogar noch eine schlageraffine Melodie, locker-bekifft wie ein Boney M.-Sing-along. Das ist aber überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich mag diesen Humor, diese ironische Art, verknüpft mit Blues, Reggae und Rock. Unmodern, zeitlos und ein Hauptgewinn wie eine alte Liebe, deren wahre Schönheit nicht vergeht!