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CAREBENDER - Bags

CAREBENDER - Bags LP
CAREBENDER - Bags LP

CAREBENDER

Bags LP
Tomatenplatten
Mit Bags veröffentlicht CAREBENDER ein Album, das sich weigert, in eine Form zu passen – und genau darin liegt seine Stärke. Der Chor, bestehend aus aaahhhnnndddiii, Aileen Klein, Anne Hübschmann, Jann Petersen, Friede Merz, Lena Geue, Lucien Lenoir, Rahel Hutter und Zooey Agro, arbeitet hier nicht an klassischen Songs, sondern an kollektiven Klanghandlungen. Bags ist weniger ein Album als ein Prozess: eine Einladung, gemeinsam zu atmen, zu schreien, zu hören, zu tragen.

Schon der Opener „one or“ eröffnet diesen Prozess mit flirrenden, fast schwebenden Texturen – eine seidig-strahlende Oberfläche, unter der es bereits zu gären beginnt. CAREBENDER formt aus Stimmen, Geräuschen und Brüchen ein organisches Ganzes, das sich ständig selbst befragt: Wer spricht hier? Wer hört zu? Wer trägt wen?
Im Verlauf entfaltet sich das Album als ein vielstimmiges Statement über Fürsorge und Widerstand. „enter fast“ markiert dabei einen Höhepunkt – ein aufrührerisches Stück, das zwischen geschrienem Dialog, rhythmischer Körperlichkeit und chorischer Wucht changiert. Der Protest ist nicht nur Thema, sondern Methode: CAREBENDER praktiziert Widerstand durch kollektives Singen, durch das Teilen von Atem, Präsenz und Aufmerksamkeit.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen experimenteller Vokalpolyphonie, Soundcollage und Performancekunst. Stücke wie „Mirror Arp“ wirken stark prozessiert, fast elektronisch, während „Rain Arp“ wie ein flüchtiges Sprachmemo klingt – roh, unmittelbar, nah. Immer aber bleibt der Chor spürbar: als atmendes, reagierendes Wesen, das seine Emotionen in Echtzeit austestet.
Die titelgebenden „Bags“ sind hier mehr als Gepäck – sie sind Sinnbilder für geteilte Lasten, kollektive Ideen, für das, was in einer Gruppe zirkuliert und weitergetragen wird. CAREBENDER macht das Tragen selbst zum ästhetischen Prinzip.
So entsteht ein Werk, das zwischen Ritual und Radiokunst pendelt, zwischen zärtlicher Fürsorge und konfrontativer Energie. Bags ist Musik, die sich nicht konsumieren lässt, sondern erlebt werden will – als offenes, lebendiges Experiment.

Fazit:

Bags ist ein zutiefst politisches, aber nie belehrendes Album. Es fordert Präsenz, Zuhören und Teilhabe. CAREBENDER schafft es, den Chor als soziale, künstlerische und widerständige Einheit neu zu denken – als ein Gefäß, das Klang, Körper und Care-Arbeit in einer einzigen Bewegung zusammenführt.
Empfohlen für alle, die Musik nicht nur hören, sondern fühlen, denken und teilen wollen.

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