
Allee der Diktatoren
Antifunktionierer. LP
Abbruch Records
Vier Berliner Punkpoeten mit einem untrüglichen Gespür für die Absurditäten menschlichen Strebens – das sind Allee der Diktatoren. Nach ihrem Debüt, das noch in stundenlangen Overdub-Schlachten
zwischen Bier, Wut und Selbstzweifel im Proberaum entstand, zünden sie mit ihrem zweiten Album Antifunktionierer die nächste Stufe der musikalischen Selbstentgrenzung.
In nur wenigen Tagen, während zwei schweißgetränkter Studiosessions, wurden alle Songs live eingespielt. Zwischen Wut, Witz und Weltschmerz dekonstruiert die Band die verlogene
Effizienzgesellschaft und stellt unbequeme Fragen: Bist du empathisch oder egoistisch, ein Arschloch oder solidarisch?
In den Texten steckt eine Mischung aus lakonischem Humor und bitterer Erkenntnis: Wir ziehen die falschen Lehren aus den immergleichen Katastrophen. „Jeden Tag Krieg“ – das ist kein Slogan,
sondern ein Zustand. Streit, Selbstzerstörung, gebrochene Herzen – das menschliche Scheitern wird hier nicht betrauert, sondern seziert.
Musikalisch gleiten Allee der Diktatoren mühelos zwischen Fun und Punk, funky punky Passagen. Wo früher Chaos regierte, findet sich nun eine neue Form von Klarheit – eine Art punkige Philosophie,
die genauso nachdenklich wie befreiend wirkt.
Im letzten Drittel des Albums steigern sich die Stücke zu einer wütend-schönen Endsinfonie, in der alles zusammenkommt: der Schweiß, die Ideen, das Brennen. Zwischen Hemmungen verlieren und
Fäuste recken wächst ein Suchtpotenzial, das man in der deutschsprachigen Punklandschaft zuletzt selten gehört hat zwischen ironischem Augenzwinkern und sezierte Verhaltensweisen. Mal groovt das
Schlagzeug mit tänzelnder Leichtigkeit, dann wieder prescht es voran wie ein überhitzter Motor kurz vorm Kolbenfresser. Prisen aus Rock und Pop und verbale Attacken zum Mitsingen. Diese Spannung
macht den Reiz des Albums aus: Es ist tanzbar, ohne gefällig zu sein; wütend, ohne sich im Zorn zu verlieren und jeden Song so individuell ausschmückt wie das Siebdruck-LP-Cover. Und letztendlich
sind wir doch alle „Antifunktionierer.“.
