
CRUOR HILLA
Der Gang vor die Hunde LP
Smith & Miller Records
Ist das FunPunk oder Straßenjungs-Rock? Egal, Christian, Till und Felix haben ein Herz für Hunde, bellen auch in der letzten Kneipe, wenn das Licht ausgeht und werfen sich die Bälle zu wie
dressierte Zirkuslöwen, die längst beschlossen haben, dass ihnen Manege und Käfig egal sind, solange der nächste Refrain sitzt.
Die Platte kracht und grinst dabei wie ein verkatertes Rudel, das sich entschlossen hat, den Sonntag zum neuen Freitag zu erklären.
Zwischen all dem scheppernden Gebell blitzen aber auch kleine, überraschend zärtliche Momente auf – kurze Atemzüge, in denen Cruor Hilla zeigen, dass hinter all der Witzigkeit echte Geschichten
stehen. Geschichten von Heimwegen, die zu weit sind, und von Freundschaften, die trotzdem halten und Briefe, die nie geöffnet werden.
Der Sound ist herzlich wie der Stammgast, der immer noch eine Runde ausgibt und Kita-Kinder zur Rebellion anstiftet. Und wenn Hendriks Gebläse anzieht, kippt der Laden endgültig in dieses
wunderbare Chaos aus Ska, Punk und einem Schuss Nostalgie.
Wie eine Mischung aus Straßenlaternenpoesie und Bierdeckelphilosophie wirkt „Der Gang vor die Hunde“ am Ende erstaunlich lebensklug: Man kann sich im Rudel verlieren, aber auch finden. Und
vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieser Platte – nicht, dass man alleine geht, sondern dass man vorher wenigstens ordentlich mit den anderen geheult hat.
