
Pillhuhn Polka
Gestern, Heute, Morgen LP
Riot Bike Records
„Alle soll’n hier Spaß haben, heißt für uns “Oi! Oi! Oi!”“
Alle, bis auf Sexisten, Macker und für diejenigen, für die OI nur für Fußball und Saufen steht. Unpolitische Kackscheiße gibt es schon (wieder) genug, also ist's Zeit, Hoffnung und Motivation zu
versprühen, Ängste abzulegen und die Sonne ins Herz zu lassen.
Es rumpelt, es knarrt, es scheppert so herzlich und ehrlich wie echte Handwerker*innen, die mit Leidenschaft und voller Überzeugung "für die Sache" unterwegs sind, dass es eine pure Freude ist,
den Hintern von der Couch zu bewegen und mit den Newtwon Neurotics auf den Lippen Schabernack auf der Straße zu treiben. Musik wie ein rumpelig-melodischer Punk wie ein sinnstiftendes Element, um
zu bleiben, um Trends zu überstehen und das „We are united forever“ zu beschwören. Inhaltlich erinnert jeder Song wie ein Handbuch und moralisch-ethischer Leitfaden für Skinheads, die OI
verinnerlichen wollen. Dezent gröliger und nöliger Sound von der Straße direkt in die Herzen all jener, die sich im Spannungsfeld aus Working-Class-Romantik, antifaschistischem Selbstverständnis
und der simplen Lust am Krach wiederfinden. Pillhuhn Polka liefern auf Gestern, Heute, Morgen keine glattgebügelte Studio-Perfektion, sondern ein lebendiges Dokument davon, wie Oi! klingt, wenn
er nicht als Parodie seiner selbst daherkommt, sondern als gelebte Haltung.
Die Texte sind zugleich Einladung und Ansage: Härte ohne Menschenfeindlichkeit, Gemeinschaft ohne Ausgrenzung, Lautstärke ohne stumpfen Chauvinismus. Und musikalisch? Da verschmelzen
rumpelig-melodische Hooks mit einem Rhythmusgerüst, das wie ein alter Transporter zwar manchmal ächzt, aber zuverlässig durch jede Kurve kommt. Man will mitgrölen, mitstapfen, mitfiebern – und
zwischendurch kurz nicken, weil die Platte trotz aller Rohheit etwas Warmes, beinahe Behütendes hat.
Riot Bike Records zeigt hier einmal mehr ein gutes Händchen für Bands, die nicht nach Nostalgie riechen, sondern nach ehrlicher Gegenwart. Gestern, Heute, Morgen ist eine Liebeserklärung an ein
Oi!, das Haltung beweist, ohne die Leichtigkeit zu verlieren. Ein Album wie ein Werkzeuggürtel voller kleiner Hymnen: gebraucht, robust, zweckmäßig und trotzdem voller Herz.
Kurz gesagt: Eine Platte, die genau da ansetzt, wo Oi! hingehört – auf die Straße, ins Hirn, und vor allem: ins Miteinander. Fäuste hoch!
