
Vlimmer - Hintersommer LP
Blackjack Illuminist
Nach Bodenhex (2024) folgt mit Hintersommer ein Werk, das die Grenzen des eigenen Klangkosmos erneut verschiebt. Gleich der Opener „Abb. 1“ wirkt wie ein kraftwerksches
Manifest, das in einem fiebrigen Dancehall pulsiert: kontrollierte Zuckungen im LSD-Schimmer, ein „dance and vibrate“ in maximaler Intensität.
Der Sound verwächst zu einer schwebenden Mischung aus ätherischem Darkgaze und glitzerndem Post-Punk – dunkel, tanzbar und immer wieder von technoiden Impulsen durchzogen. Lyrisch kreist
Hintersommer um Krankheit, Verlust und die lähmende Angst, geliebten Menschen beim Verblassen zuzusehen. Alex begegnet der stillen Grausamkeit der Vergänglichkeit und dem Paradox, im Flüchtigen
etwas Dauerhaftes suchen zu wollen. Kreativität wird hier zum Akt des Widerstands: ein musikalisches Aufbegehren gegen das Verschwinden.
Stücke wie „Firmament“ und „Gleichbau“ eröffnen eine neue Leichtigkeit: melodisch, warm, eigenartig vertraut und dennoch gebrochen. Analoge Oberflächen verschmelzen mit elektronischer Schwermut
zu einer Atmosphäre, die zugleich heimelig und entrückt wirkt.
Im letzten Drittel zieht sich die Szenerie spürbar zusammen. Die Tracks werden enger, kälter, träumerischer – als würde die Luft selbst dünner, bis schließlich eine breite Welle aus Melancholie
über allem zusammenschlägt und die Hörer*innen vollständig umfängt. Hintersommer klingt wie verlöschendes Licht im dunklen Tunnel der Zweisamkeit.
Alex aka Vlimmer gelingt ein hochgradig cineastisches, ästhetisch durchdrungenes Album, das durch sensible Klangarchitektur und mutige Kreativität besticht. Hintersommer ist kein lautes
Statement, sondern ein schimmernder, atmosphärischer Abgrund – verletzlich, kompromisslos und außergewöhnlich schön.
