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„Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gewonnen! – Oder: Das Losverfahren für den Wehrdienst“

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich fragt: Warum gerade ich?
Etwa, wenn der Toast immer auf der Marmeladenseite landet.
Oder wenn man im Bus sitzt, Kopfhörer drin, und plötzlich der Akku stirbt – genau in dem Moment, in dem jemand im hinteren Teil des Busses beschließt, sein Liebesleben lautstark zu rekonstruieren.
Und dann gibt es da das Losverfahren für den Wehrdienst.
Die Regierung nennt es ‚fair‘.

Kritiker nennen es „eine Tombola mit Konsequenzen“.

Ich nenne es: Das erste Gewinnspiel, bei dem alle hoffen, dass die Lose leer sind.

Die frohe Botschaft: „Sie haben gewonnen!“
Man stelle sich vor: Ein Brief flattert ins Haus. Man erwartet eine Rechnung, einen Flyer für eine Sofa-Abverkaufsaktion oder den alljährlichen Hinweis der Krankenkasse, dass man gesünder leben sollte. Doch dieses Mal steht da:


„Herzlichen Glückwunsch!
Sie wurden für den Wehrdienst ausgelost!“

 

Herzlichen. Glückwunsch.


Man wartet noch kurz, ob vielleicht irgendwo auch ein Wellness-Gutschein oder ein 20%-Rabattcode steht. Vielleicht ein Smiley. Ein Katzensticker. Irgendein Zeichen menschlicher Empathie.
Aber nein. Nur: „Bitte erscheinen Sie pünktlich.“
Das ist in etwa so, als würde man bei einem Preisausschreiben für ein E-Bike mitmachen und am Ende einen Termin beim Zahnarzt gewinnen.

Was tun, wenn man „gewinnt“?
Natürlich fragt man sich sofort: Was bedeutete das für mich?
Sofort beginnen die Abwägungen:


    • Soll ich es meinen Freunden erzählen?
(Die reagieren wahrscheinlich wie bei einer Schwangerschaftsverkündung: „Oh wow… ähm… herzlichen Glückwunsch? Oder… mein Beileid?“)


    • Wie erkläre ich es meinem Chef?
(„Ich bin dann mal weg“ –„Urlaub?“ –„Nicht so richtig.“)


    • Und vor allem: Was mache ich, wenn ich das alles nicht gewinnen wollte?

 

Man kann es drehen und wenden, wie man will:
Freiwilligen Wehrdienst klingt wie ein Angebot aus einem Fitnessstudio – das Losverfahren eher wie ein Anruf aus der Gewinnspielhotline, bei dem man nicht rechtzeitig aufgelegt hat.

Und dann die Frage aller Fragen: Was sagt man eigentlich dazu?
Nutzt man Pathos?


„Es ist eine hohe Verantwortung, die mir übertragen wurde.“


Oder eher Pragmatismus?
„Naja, irgendwen trifft’s ja immer.“
Oder doch pure Verzweiflung?
„Kann man Lose zurückgeben?“


Letztlich bleibt nur eine einzige sichere Erkenntnis:
Das Losverfahren hat etwas geschafft, was Politik selten erreicht:
Alle sind sich einig – gewinnen möchte das keiner.
Und das ist vielleicht der größte militärpolitische Erfolg seit Jahren.

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