
SONS OF SADISM
Skatebrigade Marl LP
Power It Up
Punk und Skaten bildeten in den 1980er Jahren auch hierzulande eine untrennbare Einheit. Während sich Teile der damaligen Deutschpunk-Szene in selbstzerstörerischer Ästhetik, Brutal-Pogo und
sinnloser Gewalt verloren – besonders im Norden, wo „Schneller! Lauter! Härter!“-Rufe und Konzert-Randale beinahe zum Markenzeichen wurden – entwickelte sich im Süden und im Ruhrgebiet eine
andere, positivere Ausprägung.
Jeans, Turnschuhe, Bandanas statt Lederjacken und Suff; musikalische Orientierung an SSD, Black Flag, Minor Threat, Verbal Abuse, Stäläg 13, Gang Green oder Jerry’s Kids. Und mittendrin: die
Skate Brigade Marl.
Aus dieser Keimzelle entstand neben TU-DO-HOSPITAL, H.O.A. und Unwanted Youth auch SONS OF SADISM – eine Band, deren rohe Energie bis heute elektrisiert. Songs wie „Psychopathen“,
„Überwachungsstaat“ oder „Millionen“ fangen genau diese ungestüme Dringlichkeit ein, die man vom „In Control“-Album von Stäläg 13 kennt. Schnell, direkt, ungekünstelt – ein Sound, der klar macht,
warum die Marl-Szene für viele ein Gegenentwurf zur tristen Deutschpunk-Einheitssoße war: energiegeladen, freundlich, offen, auf Skateboards groß geworden.
Power It Up legt nun die komplette Diskografie der Band vor – ein beeindruckendes Zeitdokument. Enthalten sind die legendäre EP, die beiden Beiträge zur Smelling Just Another Bad
Breath-Compilation, Live-Material aus dem AJZ Bielefeld (zwar in bescheidener, aber authentischer Qualität) sowie die Aufnahmen der „Live At Alberts Tape Compilation“ aus Marl, die mit
hervorragendem Klangbild überraschen. Ergänzt wird das Ganze durch ein liebevoll gestaltetes 12-seitiges Booklet voller rarem Fotomaterial, ausführlichen Liner Notes, Erinnerungen von
Weggefährten und Auszügen aus HC Helges Buch Network of Friends.
Skatebrigade Marl ist damit nicht nur eine Wiederveröffentlichung, sondern ein Stück gelebte Punkgeschichte – rau, ehrlich, voller Wiederentdeckungen. Ein Muss für alle, die wissen wollen, wie
Hardcore und Skateboarding im Ruhrgebiet ihre gemeinsame Sprache fanden.
