
CISCO PIKES
s/t LP
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Wtf? Ist Nürnberg diese heimliche Metropole der Detroit Rock City Punk Explosion, in der rostige Hallen, Graffiti-Wände und Kellerbühnen längst ihre eigene Rock’n’Roll-Mythologie geschrieben
haben? Mit CISCO PIKES kommt nun ein weiteres Relikt urbaner Verworfenheit aus der Zeitmaschine: eine LP, die klingt, als hätten sich MC5, die frühen Stooges und der komplette britische Art-Punk
der 70er in einem fränkischen Proberaum gegenseitig angezündet.
Mark singt wie ein Johnny Rotten/Thunders/Iggy-Klon auf Koffeinentzug—keifend, schneidend, rotzig, aber mit dieser unverwechselbaren Art-Punk-Nase, die jeden Ton gleichzeitig verspottet und
vergöttert. Die Gitarren arbeiten sich in einem anarchischen Spieltrieb durch schräg schroffe Riffs und hängen manchmal in ekstatischem Chaos wie im genialen „Jane Doe“ , das allerdings stets so
kalkuliert wirkt, als hätte jemand die Essenz des 1977er Drecks konserviert.
Immer wieder knallen kreative Brüche durchs Klangmuster. „Scummy in the Summer“ wirft Offbeats wie Stolpersteine ins Arrangement, bis ein seltsam torkelndes, fast sonniges Spektakel entsteht—eine
anti-harmonische Sommerhymne für alle, die schon immer lieber auf Beton statt am Strand lagen.
„The Beat Sensation“ dagegen trägt Bluespunk im Herzen: eine Mundharmonika, die so staubig klingt, als wäre sie direkt aus dem Kofferraum eines 1970er Dodge Charger gefallen, dazu ein
ProtoPunk-Groove, der sich ohne jede Scham bei Detroit Rock City bedient. Nürnberg oder Detroit? Egal—hier verschwimmen die Grenzen, bis die Pegnitz plötzlich nach Motoröl riecht.
Jeder Song ein Referenzfeuerwerk: MC5, Johnny Thunders, frühe Punk-Ikonen werden nicht zitiert, sondern zelebriert, verbrannt, wiedergeboren. Und am Ende bleibt eine Energie, die eruptiv aus den
Boxen springt—roh, ungehobelt, begeistert und begeisternd.
CISCO PIKES liefern mit dieser LP ein Stück Stadtmythos, ein Denkmal an die subkulturelle Unterströmung, die Nürnberg schon immer größer gemacht hat, als es irgendein Stadtmarketing je behaupten
würde. Hier lebt Punk nicht von Nostalgie, sondern von der Lust am Zusammenkrachen.
