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KÜSTE - s/t

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KÜSTE

s/t
https://kueste.info/
KÜSTE bündeln auf ihrem selbstbetitelten Album Vergangenheit und Gegenwart zu einem intensiven Zweikapitel-Werk, das gleichermaßen reflektiert wie impulsiv wirkt. Zwischen Kontrollverlust und Vernunft, zwischen Erwachsenwerden und dem letzten Aufflackern jugendlichen Leichtsinns entfaltet sich ein Spannungsfeld, das die Band konsequent in Moll taucht. Diese tonale Schwere dient jedoch weniger der Larmoyanz als vielmehr der Fokussierung: Herz, Hirn und Magen schieben ihre Impulse zugleich nach vorne, sodass die Songs eine seltene innere Dringlichkeit entwickeln.

Fluchtgedanken, Fassungslosigkeit und Selbstzweifel stehen im Zentrum – aber nie als Pose. Vielmehr arbeitet KÜSTE heraus, dass das Leben eben oft nicht rund läuft und jede*r unweigerlich mit den eigenen Gefühlen und Handlungen konfrontiert wird. Ob daraus Veränderung entsteht oder ob nach der Jugend nur ein Vakuum bleibt, bleibt offen. „Graue Haare, nur nicht weiser!“ ist dabei mehr Feststellung als Abgesang.
Musikalisch wirken die Stücke wie in dunkle Klangfarben getaucht, doch die Melancholie wird immer wieder nach vorne gezerrt – besonders eindrucksvoll im grandiosen „Flucht“. Synth-Punk-Elemente und treibende Drums verleihen der fragilen Atmosphäre Halt und Momentum. „Es gibt Tage, an denen das Innere nach Ruhe schreit, obwohl alles still ist!“ – eine Zeile, die das ästhetische Fundament des Albums präzise umreißt.
KÜSTE verbinden poetisch-philosophische Impressionen mit emotionalen Lippenbekenntnissen, hadern und hauen drauf („Pompeji“), lassen Harmonien welken und setzen doch immer wieder tiefschürfende Impulse. Die Songs wirken nach – nicht nur im Kopf, sondern im ganzen Körper. Und das Erstaunliche: Trotz aller Schwere ist das Album auch tanzbar.
Ein großartiges Werk, das die Unruhe der Gegenwart mit der Nostalgie der Jugend kreuzt und dabei seine eigene, postpunkige Note findet.


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