
BACHRATTEN
Rockmusik LP
La Pochette Surprise
Die Bachratten lassen angegrungte Noise-Gitarren auf stoisch stampfende Midtempo-Beats treffen – zugänglich, ohne den Druck zu verlieren. Es ist Wohlfühlschrammel für raue Zeiten, vielleicht
sogar eine kleine, trotzige Antwort auf die Zerrissenheit und Düsternis der Gegenwart. Dabei versinken sie keineswegs in müder Grunge-Seierigkeit: Der Gitarrenlärm fräst sich energiegeladen und
trotzig ins Ohr.
Über das ganze Album legt sich eine nonchalante Grundhaltung. Yusuf singt mit der lässigen Schwere eines chronisch übernächtigten Nörglers, der gegen Mittag aufsteht, einen durchzieht, das
Fenster mit Kaffee und Kippe aufreißt und laute Musik zwischen Wah-Wah, Blues und Grunge aufdreht. Immer wieder blitzen im Gitarrensound Erinnerungen an Bowies Berliner Phase auf – insbesondere
an Heroes, etwa im Stück „10h Schlaf“.
Die B-Seite eröffnet mit „Automatisch“, einem Song, der ebenso gut ein NDW-Hit sein könnte: schlicht gestrickt, aber im Intermezzo verzerrt, fiepsend, als würden die Doors mit Palais Schaumburg
kollidieren. Ein prägendes Element bleibt der massive Gitarrensound, den Yusuf und Daniel anrühren – eine Melange aus Grunge, Noise und eigensinniger Stoik. Darüber legt Yusuf seine typische
„Komm ich heut nicht, komm ich morgen“-Attitüde, die der Platte ihren Charme verleiht.
Ein Album, das nicht nur Menschen mit langen Haaren gefällt – und das auch ohne Bong hervorragend funktioniert.
