
Joe Astray
Stories from the Upside Down LP
La Pochette Surprise
Dieses Album fühlt sich an wie ein Kompass und gerade deshalb zuverlässig den Weg weist. Stories from the Upside Down segelt durch nautische Frostzonen und legt im nächsten Moment in der Bucht
der Behaglichkeit an. Kälteschauer und Kaminromantik verkeilen sich ineinander, bis aus Gegensätzen ein eigensinniger Gleichklang entsteht.
Joe Astray schreibt keine Songs, er baut Rückzugsräume. Neun Stücke, die wie handgezimmerte Lobgedichte an die Kunst wirken – an jene Entscheidung, sich ihr ganz hinzugeben, mit Hautabrieb,
Schweißperlen und dem leisen Bluten zwischen den Takten. Das „Upside Down“ ist hier kein Gimmick, sondern Zustandsbeschreibung: Kunst als freiwilliges Abseits, als liebevoller Eigenentzug von der
Norm, als Parallelrealität mit offener Tür.
Schon der erste Ton legt einen Klangteppich aus, der nicht ausrollt, sondern umarmt. Melancholie mit Lächelkante, Hoffnung mit Patina. Es riecht nach knisterndem Holz, nach Rotwein, der zu lange
geatmet hat, nach Winterjacken, die man drinnen nicht auszieht, weil man bleiben will. Die Songs flackern wie Kerzen im Zugwind – nie pathetisch, immer präsent.
Mit Gregor Hennig (u.a. Bela B., Die Sterne) findet Joe einmal mehr seinen idealen musikalischen Begleiter Die vierte gemeinsame Kollaboration wirkt wie ein eingespieltes Zwiegespräch: Joe mit
warmkörniger Stimme und Gitarre, Gregor als Multitool der Intimität an Piano, Schlagzeug und Synths. DIY wird hier nicht behauptet, sondern gelebt. Lo-Fi nicht als Mangel, sondern als
Charaktersiegel. Warm, kantig, ehrlich.
„Everybody is welcome her“ – der kleine Fehler wird zur großen Einladung. Joe Astray ist der Typ Mensch, bei dem man den Satz nicht korrigieren möchte. Der Freund, mit dem man nachts nackt im
Regen tanzt, um fünf Uhr morgens verschwitzt im Club lehnt und mittags schweigend Kaffee trinkt. Stories from the Upside Down ist kein Album zum Nebenbei-Hören. Es ist ein Ort. Und man bleibt
gern ein bisschen länger.
