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30 Jahre S.U.F.F.

30 Jahre S.U.F.F. - Mit der Spaßguerilla durch Ostdeutschland
30 Jahre S.U.F.F. - Mit der Spaßguerilla durch Ostdeutschland

30 Jahre S.U.F.F.
Mit der Spaßguerilla durch Ostdeutschland
Abo Alsleben
380 Seiten; € 13,12.-
DIY 04277 Books
[email protected]

Connewitz spuckt zurück
Das hier ist kein Buch. Das ist ein feuchter Kuss aus Bieratem, Bühnenlicht und kollektiver Selbstüberschätzung. Abo Alsleben war von Anfang an mittendrin statt nur daneben – und schreibt keine Chronik, sondern eine Liebeserklärung an drei Jahrzehnte gepflegten Kontrollverlusts. An Leute, die lieber machen als können. An S.U.F.F. als Zustand, nicht als Band.

Connewitz ist dabei kein Ort, sondern ein Aggregatzustand. Hier wuchs dieses Ding, hier sabberte es sich fest, hier lernte es laufen, fallen und wieder aufstehen – meist betrunken, oft verkleidet, immer mit Absicht daneben. Entstanden aus einer Schnapsidee auf einer völlig entgleisten Prag-Tour 1995: Bier floss, Visionen waberten, Rückfahrt delirant. Und irgendwo zwischen Rausch und Raststätte fiel der Name. S.U.F.F.. So simpel wie endgültig.
„Ein bisschen Revolution und viel Party!“ – das war nie Slogan, das war Arbeitsanweisung.
Können? Wurde überschätzt. Oder einfach ignoriert. Heraus kam kein klassischer Punkrock, sondern subkulturelle Performancekunst mit Gruppentherapie-Charakter: Haschkekse als Konzept, Humor als Waffe, Bühne als Selbstversuchsanordnung.
S.U.F.F. passte in keine Schublade, also wurde die Kommode angezündet. Punk, aber mit Show. Krach, aber mit Kostüm. Chaos, aber choreografiert. Zwei Guinness-Buch-Rekorde obendrauf – warum auch nicht, wenn man eh schon alles falsch macht, dann bitte konsequent.
Die Fanbase? Leipzig. Connewitz. Immer. Weil die Songs hier wohnten. Geschichten vom entfesselten Leben, vom kollektiven Übermut, von dieser ganz eigenen, toxisch-zärtlichen Beziehung zur Staatsmacht. Freundschaft mit der Polizei – auf Augenhöhe, also knieend.
Irgendwann kommt er dann doch, der Satz, der weh tut:
„Es war Zeit, ein bisschen erwachsen zu werden!“
– Fränki Pänki, Sänger, vermutlich nüchtern.
Denn selbst der kreativste Wahnsinn hat eine Sollbruchstelle. Spätestens dann, wenn die Polonaise um den Golf-3-Streifenwagen endet, weil sich plötzlich eine Lücke auftut. Realität, dieses Miststück.
Angereichert ist das Ganze mit namenlosen Bildern, unscharfen Fotos, Gesprächen, die eher nach Tresen als nach Interview klingen, und Erinnerungen, die sich gegenseitig widersprechen. Kein Beweis, keine Chronologie, keine Wahrheit – nur Spuren. Fragmente eines kollektiven Rausches, festgehalten von Menschen, die nie vorhatten, Geschichte zu schreiben, sondern sie höchstens zu besudeln.
Am Ende bleibt kein Fazit, sondern ein Echo. Kein Schlussstrich, sondern ein leerer Kasten Bier Sternburg Export, der noch klappert. Dieses Buch sagt nicht: So war es.
Es sagt: So fühlte es sich an.
Und das reicht.


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