
OX #183
164 DIN-A-4-Seiten; € 6,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
Joachim erinnert daran, dass Punk in diesem Jahr 50 wird und befürchtet klischeebeladene mediale Berichterstattungen.
Triebi ruft mir immer wieder die Platten und Punkbands in Erinnerung, die ich selbst sehr zu schätzen weiß, während Joachim mit Bezug zu „Punk Traditionen und Polizei“ den Zwiespalt auf beiden
Seiten erwähnt, der seine Grenzen hat. Tom van Laak flieht mit Freundin vor dem Overhetfelder Schützenfest in den Urlaub und gönnt sich erst mal ein halbes Hähnchen mit Pommes.
Mille von KREATOR erzählt Joachim davon, dass auf dem aktuellen Plattencover „Easter Eggs“ versteckt sind. Auf pralle 8 Seiten erzählt Axel von WIZO, dass er dem alltäglichen Wahnsinn mit
gestiegenem Sarkasmus begegnet und erkennt, dass „man aber alt genug ist, um rauszufinden was Spaß macht“ und das Älterwerden eine größere Reflektiertheit mit sich bringt.
GLUECIFER haben Spaß und Zeit, die Song der neuen Platte auch noch in 2 Jahren live spielen zu wollen und Spiller und Marcel von EMSCHERKURVE 77 sind aus dem Häuschen ob der Reinhard Mey’schen
Connection, dem sie gleich Tribute zollen. COSMIOC PSYCHOS sind dickkbäuchige biertrinkende Treckerfahrer, indes Frollein Pia (United) wütend ist und weiß, dass eine gute Zeit „ein Moment des
Nachdenkens und der Melancholie“ sein kann.
Gesamteindruck:
Es gibt erneut viel zu lesen und zu entdecken. Alte und neue Bands plaudern kurz oder ausgiebig aus dem Nähkästchen, HC Helge erinnert mit Reviews und Anekdoten an den US-Punk der 1970er Jahre
und auch sonst ist Punk und Artverwandtes in dieser hier präsentierten Form ein Sammelsurium an Haltungen, Meinungen, Humor und Geschichte.
Die verschiedenen Beiträge schaffen es einmal mehr, Szene-Reflexion, Nostalgie und Gegenwartsbezug unter einen Hut zu bringen, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Zwischen politischen Gedanken,
Alltagsbeobachtungen und augenzwinkernden Anekdoten bleibt das Heft nahbar und lebendig. Gerade die Mischung aus großen Namen und Underground, aus Rückblick und aktuellem Geschehen, macht den
Reiz aus.
Wer Punk nicht als starres Denkmal, sondern als lebendige Kultur versteht, findet hier reichlich Stoff zum Schmökern, Nachdenken und Wiederentdecken. Kurz: OX #183 ist ein würdiger Beitrag im
Jubiläumsjahr – klischeefrei, meinungsstark und mit spürbarer Liebe zur Sache.
