
TRUST #235
68 DIN-A-4 Seiten; €4,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Hamburger Str. 243, 28205 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf erklärt den Begriff „Szientismus“ und findet, dass es mit der Wahrheit immer schlimmer wird bzw. dass jede*r eine neu, alternative Wahrheit bastelt und Menschen es egal ist, wenn man mit der
Wahrheit rüberkommt, diese aber nicht akzeptieren will. Jan nimmt Bezug zum MRR-Fanzine, zu RKL und endet seine Kolumne mit einem YUPPICIDE-Songtext.
Dann im Interview mit Beppo geht die sehr ausgiebige Plauderrunde mit Jan und Thorsten über die Zeit mit SPERMBIRDS, WALTER ELF, KICK JONESES und Beppo kann mit den SPERMBIRDS-Songs gut leben, wenn er diese im Auto anhört und hat mit Roger noch total viele Lieder „auf Halde“, die eigentlich SPERMBIRDS-Songs werden sollten. Für Bolle und Pete ist ihre Band WASABI RIOT „die letzte Band für immer“. Bolle findet, dass mit dem Älterwerden der Dogmatismus nachlässt und Pete meint, dass „wir als alte weiße Männer(...)anderen Menschen auch Spielraum geben müssen“. GEWALTBEREIT sind bei Deutschpunk in den 1980er Jahren hängen geblieben und fördern ihn zutage, weil es „den Arschtritt in die Fresse so nicht mehr gibt“. Lloyd Ross skizziert die Geschichte von Shitty Records, Punk/Avantgarde in Südafrika, Apartheid und Zensur. Abschließend unterhält sich Jan ausführlich mit Allen Stiritz (WASTED YOUTH) bis hin zu seiner UPS-Tätigkeit und der Army-Zeit in Frankfurt und der Band BLOWIN' CHUNKS.
Gesamteindruck:
Die aktuelle Ausgabe ist eine inhaltlich dichte, kluge und zugleich angenehm unaufgeregte Ausgabe, die zeigt, dass Punk auch jenseits von Nostalgie, Dogma und bloßer Pose funktioniert. Zwischen Gesellschaftskritik, Szene-Reflexion und persönlichen Rückblicken spannt sich ein weiter Bogen, der sowohl alte Weggefährt*innen als auch aktuelle Diskurse ernst nimmt. Die Interviews leben von Offenheit und Tiefe statt Heldenverehrung, während Kolumnen und historische Abrisse Kontext schaffen, ohne belehrend zu wirken. TRUST bleibt damit ein wichtiges Dokument einer Szene, die sich selbst hinterfragt, Erinnerungen bewahrt und dennoch den Blick nach vorn richtet — unbequem, reflektiert und relevant.
